– Ganz recht, des hübschesten Mädchens im ganzen Dorfe. Konrad ist in sie verliebt bis über die Ohren, darum läuft er so.
– Es ist wahr, ich hörte davon reden. Nun, wenn er die bekommt, kann er von Glück sagen.
– Ich möchte nur wissen, warum er die Sache so geheim hält, auf dem ganzen Marsche hat er nicht ein Wort darüber gesprochen. –
– Kameraden, rief Konrad, der einen Vorsprung von hundert Schritten gewonnen hatte und an einer Biegung des Weges stand – wo bleibt Ihr denn? Soll ich allein die ersten Häuser unseres Dörfchens begrüßen? Vorwärts. In zehn Minuten sind wir an der Mühle – ich höre schon das Rauschen des Wassers und das Geklapper der Räder.
Die Angerufenen brachen ihr Gespräch ab und verdoppelten die Schritte. Dann setzten sie mit Konrad gemeinschaftlich den Weg fort, der durch eine Gruppe weißstämmiger Birken führte. Nach einigen Minuten traten sie unter dem Blätterdache hervor auf eine duftende Wiese. Am Himmel zogen die flimmernden Sterne auf und über die Erde hatte sich ein weißer Schleier ausgebreitet, den der Abendnebel gewebt. Die Füße der heimkehrenden Krieger, durch den Anblick des dicht vor ihnen liegenden Dörfchens gestärkt, näßte kühlend der Nachtthau, der an den Grashalmen hing.
Kein Wort störte die Stille des prachtvollen Abends, schweigend blickten die jungen Leute nach dem Dorfe, in dessen Häusern ein Fenster nach dem andern sich erleuchtete. Die Wiese war überschritten und die Wanderer standen unter einer großen Linde, deren Riesenzweige ein Schilfdach bedeckten, unter dem das monotone Geklapper einer Mühle sich vernehmen ließ.
– Gute Nacht, Freunde, sagte einer der Burschen, ich bin am Ziele – hier wohnt mein altes Mütterchen, das ihren Sohn noch an den Küsten des Meeres wähnt, oder vielleicht auch unter der Erde – ich werde mich sacht hineinschleichen und ihr eine Ueberraschung bereiten, an die sie gewiß nicht gedacht hat. Gute Nacht!
– Gute Nacht, Philipp, flüsterten die Andern und reichten dem scheidenden Kameraden die Hand. Dieser öffnete leise die mit Mehlstaub bedeckte Thür und verschwand.
Als Konrad mit seinem Begleiter an dem Giebel der Mühle vorbeiging, hörten sie durch das kleine geöffnete Fenster in demselben das laute Schluchzen einer Frau – Philipp hielt sein altes Mütterchen in seinen Armen.
An der Kirche trennte sich auch Konrad von seinem Begleiter, und der junge Mann ging allein dem entgegengesetzten Ende des Dorfes zu, wo die freundlichen Häuser wie Vogelnester an den Bergen lagen.