– O ja, meinte Valentin in einem völlig veränderten Tone, sie besitzt ein recht artiges Vermögen. Der junge Graf Rudolph hat ihr vor einigen Jahren die einträgliche Meierei geschenkt, die sie jetzt bewirthschaftet, und außerdem noch dreitausend Thaler versprochen, wenn sie sich einmal verheirathet. Der Graf hält Wort, denn Marie ist seine Milchschwester, die er herzlich liebt, weil er keine rechten Geschwister besitzt. Der Plan ist nicht übel!
– Und außerdem ist sie eine Waise, die allein in der Welt steht – sie hat weder Eltern noch Geschwister, mit denen sie zu theilen hat – nicht einmal einen Vetter, fügte Eberhard lächelnd hinzu.
– Einen Vetter! rief rasch der Richter. Ich will nicht mit Dir theilen, ich will nur das Darlehen zurück haben, wozu mich mein lüderlicher Neffe gezwungen hat!
– Sie sehen also, mein bester Vetter, daß ich mehr in Ihrem Interesse handle, als in dem meinigen, wenn ich das Mädchen heirathe, darum unterstützen Sie mich.
Vetter Valentin legte einen Augenblick die Hand an sein Kinn und blickte sinnend zur Erde, wobei sich seine Augen so eng zusammenzogen, daß sie nur noch zwei schwarzen Strichen glichen.
– Höre, Eberhard, Dein Heirathsproject ist nicht übel, es hat meinen Beifall. Ich bin Dein Vetter und Mariens Vormund – das trägt schon etwas zum Gelingen desselben bei – ich hoffe, Du wirst dies nicht vergessen.
– Nie, rief der Jäger und sein bleiches Gesicht belebte eine widerwärtige Freundlichkeit – nie! Gebrauchen Sie also Ihr Ansehen als Ortsrichter und Vormund!
– Du hast Recht, man muß das Mädchen verblüffen, antwortete Valentin und ging in großen Schritten, die Hand in die Oeffnung der schwarzen Weste gesteckt, durch das Zimmer.
– Sagen Sie ihr, fuhr Eberhard fort, indem er neben seinem Vetter auf und abging, daß ich einst Ihr Nachfolger im Amte werden würde.
– Mensch, rief der Alte, soll ich lügen?