Marie schwankte und sank in den Stuhl zurück.
– Konrad, Konrad ist todt! rief sie schluchzend und bedeckte ihr Gesicht mit der weißen Schürze, die ihren schlanken Leib umschloß.
– Das habe ich nicht gesagt! rief der Richter erschreckt.
– Er ist nicht todt? fuhr Marie empor. Ist er verwundet?
– Auch das habe ich nicht gesagt!
– Nun, sagte sie mit fester Stimme und sah mit ihren thränenden Augen den verwirrten Valentin an, während Eberhard seinen Nebenbuhler um diese Thränen beneidete – nun, Herr Richter, was wollen Sie denn sagen?
– Ich will sagen, mein liebes Kind, daß alles geschehen kann, was man fürchtet, und daß es in Ihrem Alter sehr unklug gehandelt ist, wenn man daran denkt, sein Leben an das eines Soldaten im Kriege ketten zu wollen. Sehen Sie, unser junger Graf Rudolph ist diesen Morgen schon zurückgekehrt, folglich muß der Krieg aus sein, und wer zurückkehren kann, wird gewiß nicht säumen, zumal wenn er ein Bräutchen in der Heimath hat. Entweder hat ein solcher Soldat sein Liebchen vergessen und ein anderes gefunden, oder er hat sonst einen Grund, der ihn hindert – –
Des Richters Rede ward durch das hastige Oeffnen der Thür unterbrochen. Aller Blicke wandten sich dahin.
Ein junges Mädchen stürzte in fröhlicher Hast herein, denn seine Blicke leuchteten vor Freude und Lust, wie die eines Boten, der gute Nachricht verkünden will.
– Röschen, Röschen! rief Marie und stürzte der Freundin entgegen, die in diesem Augenblicke erstaunt den Besuch betrachtete. Röschen, wo ist Konrad?