– Komm, rief Graff und zog den Förster mit sich fort, die Sache wird so schlimm nicht werden, als Du denkst! Schlagen wir diesen Weg nach dem Wirthshause ein, wir wollen einen Schoppen zusammen trinken, vielleicht giebt uns der Wein einen gesunden Rathschlag, der uns wieder flott macht! Komm, Freund Eberhard, und verliere den Kopf nicht!

– Du hast Recht, rief Eberhard mit glühenden Augen, denn in diesem erbärmlichen Leben sind ja doch nur die Augenblicke glücklich, wo der Verstand zum Teufel geht. Komm, ich folge Dir!

– Recht so, Freund, wir wollen die Grillen verplaudern und vertrinken!

Singend, daß der Wald wiederhallte, zogen sie Arm in Arm den Fußweg fort, der nach zehn Minuten auf einen Platz mündete, auf welchem ein einsames Häuschen stand. Es ward von einem alten Jäger bewohnt, der Getränke und Speisen im Sommer feil bot, weil es an der Straße lag, welche von den Reisenden am häufigsten gewählt wurde, um den Brocken zu besuchen.

Jauchzend, als ob ihnen das größte Glück begegnet, traten die beiden Männer ein und forderten lärmend von dem besten Weine. In einem Zimmer, dessen niederes Fenster nach dem Waldplatze hinausging, setzten sie sich an einen Tisch und begannen wacker zu zechen, wobei Graff Anecdoten und Schnurren erzählte, über welche Eberhard, dem nach und nach der Wein zu Kopfe stieg, aus vollem Herzen lachte und Heirath und Schulden vergaß.

Der Abend war während dieser Zeit völlig hereingebrochen, im Westen zogen sich die Gewitterwolken immer drohender zusammen, im Osten aber stieg der Mond herauf und beleuchtete mit seinem melancholischen Lichte den schweigenden, duftenden Wald.

In der Unterhaltung der beiden Jäger war eine Stockung eingetreten, denn Eberhard's schwerer Kopf hatte sich auf den Tisch gesenkt und schien dem Weine und der drückenden Schwüle völlig zu unterliegen. Graff betrachtete durch das geöffnete Fenster die prachtvolle Abendlandschaft. Das Zimmer war dunkel und in den übrigen Räumen des einsamen Hauses regte sich kein Laut, da diesen Abend die beiden Jäger die einzigen Gäste waren.

Plötzlich hörte Graff ein Gespräch in dem Walde. Er lauschte. Es schien unter Leuten stattzufinden, die den Weg von dem kaum eine halbe Stunde entfernten Dorfe herkamen. Die Worte tönten laut durch den stillen Abend, aber Graff konnte sie dennoch nicht verstehen, da das gleich darauf folgende Echo sich mit ihnen mischte. Soviel vermochte er aber zu unterscheiden, daß eine der Stimmen einer Frau oder einem Mädchen angehörte.

Nach einigen Minuten sah der Jäger zwei Personen aus dem Gebüsche auf den hell erleuchteten Waldplatz treten; sie gingen langsam Arm in Arm und führten ein fröhliches Gespräch, dessen Worte Graff schon seit einiger Zeit gehört hatte. Leise zog er sich in das dunkele Zimmer zurück und begann zu lauschen.

– Weiter gehe ich nicht, Konrad, sagte die Mädchenstimme – hier ist das Wirthshaus des alten Vaters Kaspar, wir sind eine halbe Stunde von unserm Dorfe entfernt, und das Gewitter zieht immer drohender herauf.