– Und dieser Kuß mag Dir sagen, daß meine Liebe noch größer ist, als die Deinige!

– Das ist nicht wahr!

– O ja!

– O nein!

Konrad schloß das Mädchen in seine Arme und machte durch einen feurigen Kuß dem kleinen Streite ein Ende. In inniger Umarmung blieb das glückliche Paar wohl zehn Minuten lang, ohne den Lauscher am Fenster zu gewahren. Der Mond war indeß hinter den Zweigen einer Eiche hervorgetreten und beleuchtete sanft die Gesichter der beiden Liebenden, die sich schweigend ansahen und nur durch Küsse die Gefühle ihrer Herzen äußerten.

Plötzlich erklangen Schritte in dem Walde.

– Hörst Du? rief Marie; jetzt kommt Röschen. Ich werde ein wenig mit ihr zanken, daß sie so lange auf sich warten läßt.

Und wie eine Gemse flog sie über den Rasenplatz dem Waldwege zu, von woher die Schritte sich vernehmen ließen. Doch kaum hatte sie das dunkele Gebüsch betreten, als die schwarze Gestalt eines Mannes vor ihr stand. Mit einem lauten Schrei fuhr Marie erschreckt zurück und flog auf Konrad zu, der ihr nachgeeilt war.

– Was giebt es? rief der junge Mann mit kräftiger Stimme.

– Sieh' jene Gestalt – sie kommt näher! Laß uns fliehen, vielleicht ist es ein Räuber!