– Länger als ich dachte, sprach sie in abgebrochenen Sätzen, hielt mich ein Geschäft bei meiner Tante auf – es war Nacht, als ich bei den Ruinen der Abtei vorüberging – da höre ich plötzlich Schritte – die Angst befällt mich – aber ich setze meinen Weg fort – ich trete um die Biegung der verfallenen Mauer – da sehe ich im Mondenscheine, wie sich ein Mann gegen zwei Räuber vertheidigt – vor Angst und Schrecken verberge ich mich hinter einem Felsen, der am Wege steht – ich lausche zitternd – das Geräusch der Kämpfenden entfernt sich – aber der Wind, der sich aufmacht, treibt mir den Hut eines der Mörder zu – ich raffe ihn auf – und stürze dem Dorfe zu – hier ist der Hut!

Mit zitternder Hand reichte sie Marien, die ihr zunächst stand, den Hut, den sie bisher unter der Schürze verborgen gehalten hatte. Doch kaum hat diese einen Blick darauf geworfen, als sie vor Schrecken zur Bildsäule erstarrt – sie erkennt an der Schleife das rothe Band, das sie diesen Abend als einen Beweis ihrer Liebe um Konrads Hut gewunden – es war der seinige.

Starr sah sie auf das verhängnißvolle Zeichen, bis der Richter sich seiner bemächtigte. Konrad's ausweichende, unbestimmte Antworten, sein verschlossenes Wesen, das er nach der Unterredung mit dem Fremden im Walde beobachtete, – alles stand plötzlich vor ihrer Seele, sie zweifelte nicht einen Augenblick daran, daß der Mann, den sie liebte, Theil an dem begangenen Verbrechen genommen habe – und Röschen, seine eigene Schwester mußte ihn verrathen.

– Also in den Ruinen der Abtei hast Du gesehen, daß ein Mensch von Raubmördern angefallen wurde? fragte der Richter.

– Ja, antwortete Röschen, die sich wieder erholt hatte, ich habe es deutlich gesehen, und jener Hut muß einem der Mörder gehören.

– Freunde, rief Valentin, der den Hut betrachtet, es unterliegt keinem Zweifel, daß in der Nähe unsers Dorfes ein Raubmord stattgefunden, denn dieser Hut ist feucht von Blut. Geht in Eure Häuser und holt was Ihr an Waffen besitzt – dann seid in fünf Minuten wieder hier, wir wollen ausziehen und den ganzen Wald durchsuchen – ich als Richter stelle mich an Eure Spitze!

Die Bauern zerstoben nach allen Seiten, um der Aufforderung Valentins nachzukommen; die Frauen und Mädchen gingen erschreckt ihren Häusern zu. Auf allen Plätzen und Gassen des Dorfes hörte man ein dumpfes Murmeln und selbst Vermuthungen über die Thäter wurden ausgesprochen, die freilich nur auf berüchtigte Personen fielen.

Marie war die einzige, die Konrad in Verdacht hatte, denn sie nur allein hatte seinen Hut wiedererkannt. Aber mit männlichem Muthe verschloß sie diesen Verdacht in ihrer Brust, obgleich der Schmerz um die Verirrung des geliebten Mannes sie zu zersprengen drohete.

– Marie, fragte Röschen, indem sie den Arm der Freundin ergriff – wo ist mein Bruder Konrad?

– Ich weiß es nicht! stammelte die Arme.