– War er nicht mit hier?

– Ich habe ihn in der Menge nicht gesehen.

– Du zitterst, Marie; bist noch mehr erschreckt, als ich –? Fürchtest Du vielleicht –?

– O nein, antwortete rasch Marie, ich fürchte nichts – Deine Erzählung hat mich so mit Angst und Schrecken erfüllt, daß ich kaum zu reden vermag – das ist alles.

– Gieb Dich nur zufrieden, sagte unbefangen das muntere Röschen, man wird den Missethätern schon auf die Spur kommen, daß sie weiter keinen Schaden anrichten können. Ich freue mich, daß ich das ganze Dorf versammelt fand, und daß der Richter gleich aufbrechen kann. Sieh, dort kommt schon ein Trupp junger Leute, und dort wieder einer – o, daß sie die Bösewichter doch fingen!

Unter diesem Gespräche hatten sie Mariens Thür erreicht.

– Gute Nacht, Röschen, sagte die unglückliche Braut.

– Gute Nacht, Marie! Und was sage ich meinem Bruder?

– Ich wünschte, daß er ruhiger schlafen möge, als ich! Gute Nacht.

Marie trat in ihr Haus und schloß die Thür. In ihrem Stübchen, wo sie allein war, brachen die lange zurückgehaltenen Thränen hervor, sie sank auf einen Stuhl und begann bitterlich zu weinen.