Die ersten Donnerschläge des heranziehenden Gewitters ließen sich vernehmen und starke Blitze erhellten auf Augenblicke das ganze Zimmer. Auf dem Platze vor des Richters Hause war es wieder lebendig geworden, denn mehr als fünfzig Männer, mit Gewehren, Aexten und Stangen bewaffnet, hatten sich zur Durchsuchung des Waldes eingefunden.

In dem Augenblicke, als der mit einem langen Säbel bewaffnete Ortsrichter aus seinem Hause trat, vermehrte sich der kriegerische Trupp noch um zwei Köpfe – Graff, der Eberhard am Arme führte, fragte nach dem Zwecke der Versammlung, obgleich er ihn im Dorfe schon vernommen hatte. Valentin, der sich über die Ankunft der beiden waffenkundigen Männer freute, da er nichts weniger als muthig war, berichtete kurz den Vorfall.

– Wir begleiten Euch, Freunde, rief Graff. Die Gegend muß gelichtet werden von diesem Gesindel! Fort zu der Abtei!

Als Valentin von dem Hute sprach, den einer der Räuber verloren haben sollte, mußte sich Eberhard auf seinen Freund Graff stützen, er vermochte sich kaum noch aufrecht zu erhalten.

– Memme, flüsterte der Jäger ihm zu, willst Du uns verrathen? Nimm Dich zusammen, der Hut mit dem rothen Bande wälzt allen Verdacht auf Konrad, und Du kannst die Meierei noch erhalten, denn einen überführten Räuber wird die züchtige Marie nicht heirathen!

– Du hast Recht! antwortete Eberhard, dessen Hoffnung auf Mariens Besitz die Wendung der Dinge neu belebt hatte. Ich folge Ihnen, Vetter, rief er den abziehenden Bauern nach, ich will nur mein Gewehr holen, das in Ihrem Hause steht!

Nach einigen Minuten schritten die beiden Jäger an Mariens Fenster vorüber.

Bei dem Leuchten eines Blitzes sahen sie das bleiche Gesicht des armen Mädchens, das weinend über den leer gewordenen Dorfplatz blickte.

– Hast Du sie gesehen? flüsterte Graff.

– Wie es scheint, wartet sie auf Konrad, antwortete der Förster.