Sie saßen wieder auf. Johan steckte sich eine Zigarre an und bot auch dem Kutscher eine; der aber antwortete flüsternd, er dürfe auf dem Kutschbock nicht rauchen. Dann versuchte er den Kutscher auszufragen; erfuhr etwas über den Verkehr und dergleichen, aber nur wenig.

Gegen Abend langten sie auf dem Herrensitz an. Das Gebäude lag auf einem mit Bäumen bewachsenen Hügel und war ein weißes Steinhaus mit Markisen. Das Dach war flach, und dessen stumpfer Winkel gab dem Gebäude etwas Italienisches; aber diese rot- und weißgestreiften Markisen, das war wirklich etwas Feines.

Johan wurde in einen Flügel gewiesen, der aus einem besonderen Häuschen von zwei Zimmern bestand; in dem einen sollte er mit drei Knaben hausen, während das andere vom Kutscher bewohnt wurde.

Als er acht Tage auf dem Gut gewesen war, hatte Johan entdeckt, daß er ein Diener war, und zwar in einer recht unangenehmen Stellung. Der Knecht seines Vaters hatte ein besseres Zimmer, und vor allem ein eigenes Zimmer; der Knecht seines Vaters war doch einige Stunden am Tage Herr über seine Person und seine Gedanken; Johan nie. Nacht und Tag sollte er mit den Kindern zusammen sein, mit ihnen spielen, mit ihnen arbeiten, mit ihnen baden. Nahm er sich einen Augenblick Freiheit und jemand von der Herrschaft erblickte ihn, fragte man sofort: Wo sind die Kinder? Die Knaben pflegten nämlich zu den Instleuten zu laufen; dort durften sie sich aber nicht aufhalten, weil das Flüßchen dort vorbeifloß. Johan lebte in beständiger Unruhe, es könne etwas passieren. Er war für das Betragen von vier Personen verantwortlich: sein eigenes und das dreier Knaben. Wurden sie getadelt, bekam er etwas ab. In seinem Alter war niemand da, mit dem er sich hätte aussprechen können; keine jungen Leute. Der Inspektor hatte den ganzen Tag zu tun und war nie zu sehen.

Aber zweierlei entschädigte ihn: die Natur und die Freiheit vom Elternhause.

Die Baronin behandelte ihn vertraulicher, beinahe mütterlich; es unterhielt sie, mit ihm über Literatur zu sprechen. Da hatte er Augenblicke, in denen er sich durch seine Belesenheit ebenbürtig und überlegen fühlte; kam aber nur der Sekretär nach Haus, war er wieder Kindermädchen.

Die Landschaft des Inselmeers hatte für ihn einen größeren Reiz als die Ufer des Mälarsees, und die zauberischen Erinnerungen an Drottningholm und Vibyholm verblaßten. Das Jahr vorher war er bei einem Plänkeln mit den Scharfschützen bei Tyresö auf eine Höhe hinaufgekommen. Es war tiefer Fichtenwald. Zwischen Blaubeeren und Wacholder krochen sie, bis sie an eine steile Klippe kamen. Da öffnete sich plötzlich ein Gemälde, so entzückend, daß ihn fror. Meer und Inseln, Meer und Inseln, weit, weit, bis in Unendlichkeit. Er hatte, obwohl Stockholmer, das Inselmeer noch nie gesehen und wußte nicht, wo er sich befand. Dieses Gemälde machte einen solchen Eindruck auf ihn, als habe er ein Land wiedergefunden, das er in schönen Träumen gesehen, oder in einem früheren Dasein, an das er glaubte, von dem er aber nichts wußte.

Die Jägerkette zog sich nach der Seite in den Wald hinein, aber Johan saß auf der Klippe und betete an; das war das richtige Wort. Die feindliche Kette hatte sich genähert und gab Feuer; es sauste ihm um die Ohren; er verbarg sich; fortgehen konnte er nicht. Das war seine Landschaft, das wahre Milieu seiner Natur: Idyllen, arme, holperige Inseln aus Graustein, bedeckt mit Fichtenwald, auf große, stürmische Meeresflächen hinausgeworfen; und im Hintergrunde, in gehöriger Entfernung, das unendliche Meer.

Er blieb dieser Liebe auch treu, die nicht damit erklärt ist, daß sie die erste war. Weder die Alpen der Schweiz, noch die Olivenhügel des Mittelmeers, noch die Felsenküste der Normandie konnten sie verdrängen.