Dann kam Johan ins Armenhaus von Klara, das von alten Armenhäuslern geräumt und während des Mangels an Wohnungen vorläufig Familien geöffnet war. In einem großen Saale lagen und standen wohl ein Dutzend Familien, die den Boden mit Kreidestrichen geteilt hatten. Da stand ein Tischler mit einer Hobelbank; dort saß ein Schuhmacher mit seinem Tisch; rings herum auf beiden Seiten des Kreidestrichs kribbelten Kinder und Frauen; der Kreidestrich war zu schmal, um zu verbergen, was verborgen zu werden pflegt.
Was konnte Johan da machen? Bericht erstatten über eine bekannte Sache, Holzmarken austeilen, Essen und Kleider anweisen.
Dann stieß er auf die stolze Armut oben in den Bergen des Viertels Königsholm. Dort wurde er hinausgewiesen.
— Wir brauchen uns gottlob noch nicht an die Armenpflege zu wenden. Wir stehen uns gut!
— So? Dann dürfen Sie aber Ihr Kind im Winter nicht in zerrissenen Schuhen gehen lassen.
— Das geht Sie nichts an, Herr!
Damit wurde die Tür zugeschlagen.
Oft gab es schauerliche Szenen. Das Kind krank, das Zimmer von den Schwefeldämpfen des Koks erfüllt, alle hustend, von der Großmutter bis hinab zum Allerjüngsten. Was konnte Johan dabei tun? Ihm wurde schlecht zumut, und er floh! Ein andres Heilmittel als Armenpflege gab es damals nicht, und die Literatur, die das Elend schilderte, konnte nur beklagen; von einer Hoffnung wußte man nichts. Darum hatte man nichts anderes zu tun als zu beklagen, für den Augenblick zu helfen und zu fliehen, um nicht zu verzweifeln.
Diese Beschäftigung lag wie eine drückende Wolke auf ihm, und er verlor die Lust zur Arbeit. Hier war etwas verkehrt, das fühlte er, aber es konnte ja nicht besser werden; das sagten alle Zeitungen und Bücher, und die Menschen auch. Es sollte wohl so sein. Das Emporklettern stand ja jedem frei! Klettere doch auch!