Mama kommt in die Küche.

— Was sagt Johan? fragt sie Luise.

— Er sagt, er habe es nicht getan.

— Leugnet er noch!

Johan wird zurückgeführt, um dazu gezwungen zu werden, zu bekennen, was er nie begangen hat.

Und jetzt bekennt er, was er nie begangen hat.

Herrliche, sittliche Einrichtung, heilige Familie, unantastbare, göttliche Stiftung, die Bürger zu Wahrheit und Tugend erziehen soll! Du angebliches Heim der Tugenden, wo unschuldige Kinder zu ihrer ersten Lüge gezwungen, wo die Willenskraft durch Willkür geknickt, wo das Selbstgefühl von enge wohnenden Egoismen getötet wird. Familie, du bist das Heim aller sozialen Laster, die Versorgung aller bequemen Frauen, die Ankerschmiede des Familienvaters, die Hölle der Kinder!

Seit diesem Tage lebte Johan in ewiger Unruhe. Nicht der Mutter, nicht Luise, noch weniger den Brüdern und am wenigsten dem Vater wagte er sich zu nähern. Feinde überall. Gott kannte er noch nicht anders als durch das Abendgebet. Er war Atheist, wie das Kind ist; aber im Dunkeln ahnte er wie der Wilde und das Tier böse Mächte.

Wer trank den Wein aus? fragte er sich. Wer war der Schuldige, für den er litt? Neue Eindrücke, neue Sorgen ließen ihn bald die Frage vergessen, aber die aufregende Handlung blieb ihm im Gedächtnis haften.

Er hatte das Vertrauen der Eltern, die Achtung der Geschwister, die Gunst des Vaters verloren; Großmutter verhielt sich still. Vielleicht schloß sie aus andern Gründen auf seine Unschuld, denn sie schalt ihn nicht, aber sie schwieg. Sie hatte nichts zu sagen.