— Ah, ein Genie!
Keiner der Bundesbrüder glaubte dieser Gnadengabe teilhaftig zu sein, nicht einmal Johan; und sehr fraglich ist, ob irgendein Dichter eigentlich geglaubt oder gefühlt hat, daß er es sei. Man kann, wenn man Vergleiche anstellt, finden, daß man bessere Arbeiten gemacht hat als andere; und ein guter Kopf wird natürlich fühlen, daß er etwas besser versteht als andere; aber ein Genie, das ist etwas Besonderes. Dieser Titel wird gewöhnlich erst nach dem Tode ausgeteilt und fällt jetzt aus dem Sprachgebrauch fort, nachdem man die Geschichte der Entwicklung des Genies gegeben hat.
Die Neuigkeit erregte Aufsehen, und der Unbekannte wurde unter dem Namen Is in die Verbindung gewählt. Er sei nicht Poet, hieß es, aber er sei gelehrt und ein starker Kritiker.
Eines Abends, als Zusammenkunft bei Thurs war, kam er. Bei der Tür blieb ein kleiner dünner Mensch stehen, der keinen Überrock hatte, sondern wie ein beurlaubter Arbeiter gekleidet war. Die Kleider sahen aus, als seien sie geborgt, denn Ellbogen und Kniekehlen hingen an den unrichtigen Stellen. (Das wurde sofort von Johan beobachtet, der Kleider früher zu erben pflegte.) In der Hand hielt er einen schmutzigen Hut von der Farbe einer Biersuppe, wie man ihn nur bei Leierkastenspielern sieht. Sein Gesicht sah aus wie das eines südländischen Rattenfallenhändlers. Das schwarze Haar hing auf die Schultern herab, und das Gesicht war von schwarzem Bart zugewachsen, der auf die Brust herabfiel.
— Ist es möglich, fragte man sich, ist das ein Student?
Er glich allem andern und sah aus, als sei er vierzig Jahre alt; er war aber nur dreißig.
Mit dem Hut in der Hand blieb er an der Tür stehen wie ein Bettler und wagte sich kaum vor.
Nachdem Thurs ihn ins Zimmer gezogen und ihn vorgestellt hatte, wurde die Sitzung eröffnet. Is begann zu sprechen und man lauschte.
Es war die Stimme eines Weibes, die sich zuweilen in unverschämter Art zu einem Flüstern senkte, als verlange der Redner Totenstille oder spreche zu seinem eigenen Vergnügen. Wovon er sprach, würde schwer wiederzugeben sein, denn es handelte von allem, was er gelesen hatte; und da er zehn Jahre länger als die Zwanzigjährigen gelesen hatte, fanden die ihn in seiner Gelehrsamkeit bewundernswürdig.