Nicht daß er das Geschenk als eine Wohltätigkeit empfunden hätte. Es war ein Stipendium, eine Belohnung für ein Verdienst, wie Künstler es zu allen Zeiten für ihre Ausbildung erhalten hatten; und der königliche Geber war nicht der Monarch, sondern der persönliche Freund und Bewunderer. Darum übte dieses Geschenk auch keinen Einfluß auf seine aufrührerischen Gedanken aus; höchstens, daß er für einen Augenblick verleitet wurde, die Welt gut zu finden, weil es ihm selber gut ging. Seine Opposition hatte sich jetzt auch schon vertieft; er schob nicht mehr die Schuld für die Verkehrtheit der Gesellschaft auf die Monarchie allein; er glaubte nicht, wie die Heiden, die Jahresernte würde besser werden, wenn man den König auf dem Altar der Götter schlachte.

Seine Mutter würde vor Freude über seine Auszeichnung geweint haben, hätte sie gelebt, so aristokratisch war sie.

Demokraten sind wir alle, bis zum Kronprinzen hinauf, indem wir das, was oben liegt, zu uns herunter wünschen; sind wir aber in die Höhe gekommen, wollen wir nicht wieder heruntergerissen werden. Die Frage ist nur die, ob das, was oben liegt, in geistigem Sinne höher ist und ob es wirklich dort liegen muß. Daran begann Johan jetzt zu zweifeln.


22.
Auflösung.
(1872)

Bei Beginn des Frühlings zog Johan mit einem ältern Kameraden zusammen, um die Studien fortzusetzen. Als er die alten Bücher, die er schon so lange studiert hatte, wieder vornehmen sollte, waren sie ihm sofort zuwider. Das Gehirn war voller Eindrücke, hatte dichterisches Material angehäuft und wollte nicht mehr aufnehmen; Phantasie und Gedanke arbeiteten bereits und konnten dem Gedächtnis nicht mehr allein die Herrschaft überlassen. Zweifel und Apathie stellten sich ein; manchmal blieb er den ganzen Tag auf dem Sofa liegen. Oft kam ihm ein Verlangen, alles hinzuwerfen, um in Leben und Tätigkeit hinauszukommen. Aber das königliche Stipendium hielt ihn in Fesseln; legte ihm Pflichten auf; hatte er doch, indem er es annahm, die Hand darauf gegeben, er werde den Doktor machen, der jetzt halb fertig war.

So begann er Philosophie. Als er aber die Geschichte der Philosophie gelesen hatte, fand er alle Systeme in gleichem Maße gültig oder ungültig, und sein Gedanke leistete Widerstand gegen alle fremden Gedanken.

In der Verbindung herrschte Spaltung und Schlaffheit. Man hatte alle seine Jugendgedichte vorgelesen und produzierte nichts Neues; die Sitzungen wurden nur mit Punsch abgehalten. Is hatte sich auch hier bloßgestellt; bei einer Szene mit einem andern Bundesbruder war er auch hier hinausgeworfen worden, hatte sein Messer gezogen und Schläge gekriegt. Er hatte sich unter einer lächerlichen Maske gerettet und war jetzt nur noch ein Gegenstand des Spottes, nachdem man entdeckt, daß seine Weisheit in Referaten aus den Zeitschriften der Studentenschaft bestand, welche die andern nicht zu benutzen wußten.