— Wenn du erst eine weiße Mütze bekommst! sagte die Mutter.

Als Studentenkonzerte abgehalten wurden, sprach man mehrere Tage davon. Bekannte aus Upsala kamen auch zuweilen nach Stockholm und sprachen immer von dem frohen Leben, das der Student führe. Ein Kindermädchen, das in Upsala gedient hatte, nannte Johan den Studenten.


Mitten in dem furchtbaren Geheimnisvollen des Schullebens, in dem das Kind niemals einen ursächlichen Zusammenhang zwischen lateinischer Grammatik und dem Leben finden konnte, tauchte etwas neues Geheimnisvolles auf, um nach einer kurzen Zeit wieder zu verschwinden.

Die neunjährige Tochter des Rektors wohnte den französischen Stunden bei. Sie wurde mit Absicht auf die hinterste Bank gesetzt, damit sie nicht gesehen werden sollte; und sich auf dem Platz umzudrehen, war ein grobes Verbrechen. Sie war indessen im Zimmer und wurde wahrgenommen. Das körperliche Geschlechtsleben des Knaben war noch nicht erwacht, aber er, wie wahrscheinlich die ganze Klasse, verliebte sich. Die Aufgaben in den Stunden, denen sie beiwohnte, gingen immer gut; der Ehrgeiz war geweckt; niemand wollte in ihrer Gegenwart geprügelt oder gedemütigt werden. Sie war allerdings häßlich, aber sie war fein gekleidet. Ihre Stimme klang weicher als die der Knaben, die Stimmwechsel hatten, und des Lehrers gestrenges Gesicht lächelte, wenn er zu ihr sprach. Wenn er ihren Namen aufrief, wie schön der klang! Und ein Vorname unter all diesen Familiennamen!

Johans Liebe äußerte sich in einer stillen Traurigkeit. Er konnte nicht mit ihr sprechen, und würde es auch nicht gewagt haben. Er fürchtete sie und sehnte sich nach ihr. Wenn aber jemand ihn gefragt hätte, was er von ihr wolle, hätte er es nicht sagen können. Er wollte nichts von ihr. Sie küssen? Nein, man küßte sich in seiner Familie nicht. Sie anfassen? Nein! Viel weniger also sie besitzen. Besitzen? Was sollte er mit ihr machen? Er fühlte, daß er an einem Geheimnis trug. Das quälte ihn so, daß er litt, und sein ganzes Leben dunkel wurde. Eines Tages nahm er zu Hause ein Messer und sagte: ich schneide mir den Hals ab. Die Mutter glaubte, er sei krank. Was es war, konnte er nicht sagen. Er war damals etwa neun Jahre alt.

Wären es nun ebensoviel Mädchen wie Knaben in der Schule gewesen, und in allen Stunden, wären wahrscheinlich kleine unschuldige Freundschaftsverbindungen entstanden; die Elektrizitäten wären abgeleitet worden, die Madonnenverehrung auf ihr richtiges Maß herabgesetzt, unrichtige Begriffe vom Weib hätten nicht ihn und seine Kameraden durchs Leben begleitet.


Des Vaters beschauliche Natur, seine Menschenscheu nach den Niederlagen; der Verruf, in den er bei der Gesellschaft durch seine anfangs ungesetzliche Verbindung mit der Mutter geraten war, all das hatte ihn dazu gebracht, sich nach der Nordzollstraße zurückzuziehen. Da hatte er ein Vorstadthaus mit einem großen Garten gemietet, mit ausgedehnten Kuhweiden, mit Pferdestall, Viehstall, Gewächshaus. Er hatte immer das Land geliebt und gern das Feld bestellt. Früher hatte er einmal ein kleines Gut vor der Stadt gemietet, hatte es aber nicht bewirtschaften können. Jetzt wollte er einen Garten haben, vielleicht sowohl für sich selbst wie für die Kinder; diese bekamen nun eine Erziehung, die etwas an die von Rousseaus Emile erinnerte.

Durch lange Bretterzäune war das Grundstück von den benachbarten getrennt. Die Nordzollstraße war eine Baumallee, die noch keine gepflasterten Bürgersteige hatte und wenig bebaut war. Sie wurde meist von Bauern und Milchwagen befahren, die nach und von dem Heumarkt kamen. Leichenwagen, die zum Neuen Kirchhof hinauszogen; Schlittenpartien nach der Brunnenbucht; junge Leute, die nach den Wirtshäusern vor der Stadt fuhren: das war der weitere Verkehr.