Der Garten, der das kleine einstöckige Haus umgab, war groß. Lange Alleen mit wenigstens hundert Apfelbäumen und unzähligen Beerenbüschen kreuzten sich. Dichte Lauben aus Flieder und Jasmin waren hier und dort angepflanzt, und in einer Ecke stand noch eine gewaltige alte Eiche. Da war es schattig, geräumig und gerade so weit verfallen, daß es stimmungsvoll war. Östlich vom Garten erhob sich ein Hügelzug, der mit Ahorn, Birke, Eberesche bewachsen war. Ganz oben stand ein Tempel aus dem vorigen Jahrhundert. Die andere Seite des Hügelzugs war zwar hier und dort nach Kies angegraben, der sich nicht als ergiebig erwiesen, bot jedoch schöne Partien von Tälchen mit Faulbeerbäumen und Gesträuchen aus Weiden und Dornbusch. Von dieser Seite sah man weder Haus noch Straße. Nur wenige vereinzelte Häuser waren weit entfernt zu sehen, dagegen Tabakscheunen und Gärten in Unendlichkeit.

Man sollte also das ganze Jahr über auf Sommerfrische wohnen, und dagegen hatten die Kinder nichts einzuwenden. Jetzt konnte Johan aus nächster Nähe die Geheimnisse und Schönheiten des Pflanzenlebens sehen und entdecken; und der erste Frühling war eine wunderbare Zeit der Überraschungen.

Wenn die frisch umgegrabene Erde mit ihrer tiefen Schwärze unter dem weißen und hellroten Sonnenzelt der Apfelbäume lag, wenn die Tulpen in ihren orientalischen Farben leuchteten, da war es für ihn feierlich im Garten; feierlicher als bei der Prüfung und in der Kirche, den Weihnachtsgottesdienst nicht ausgenommen.

Die Folge war, daß das körperliche Leben sich beschleunigte. Die Knaben wurden in die Bäume hinauf geschickt, um das Moos von den Ästen zu kratzen; sie reinigten die Beete von Unkraut; schaufelten Wege, begossen und harkten. Der Viehstall war von einer Kuh bevölkert, die kalbte. Der Heuboden wurde zur Schwimmschule, indem man von den Balken herabsprang; das Pferd im Stall wurde zur Tränke geritten.

Die Spiele auf dem Hügelzug wurden wild; Steinblöcke wurden hinabgerollt, Baumwipfel geentert, Streifzüge unternommen.

Die Wälder und Gebüsche des Hagaparkes wurden durchsucht; in den Ruinen stieg man auf junge Bäume und fing Fledermäuse; die eßbaren Eigenschaften von Sauerklee und Engelsüß wurden entdeckt; Vogelnester geplündert. Bald wurde auch das Pulver erfunden, nachdem man Pfeil und Bogen abgelegt, und zu Hause auf den Hügeln wurden bald Kramtsvögel geschossen.

Die Folge war eine gewisse Verwilderung. Die Schule wurde immer widriger und die Straßen der Stadt immer unangenehmer.

Zu gleicher Zeit begannen die Jugendbücher die Rückkehr zur Natur zu fördern. Robinson war epochemachend, und Die Entdeckung Amerikas, Der Skalpjäger und andere weckten einen aufrichtigen Ekel vor den Schulbüchern.

Die Wildheit nahm während der langen Sommerferien so zu, daß die Mutter die unbändigen Knaben nicht mehr lenken konnte. Sie wurden zuerst versuchsweise in die Schwimmschule nach dem Ritterholm geschickt, aber der halbe Tag wurde unterwegs auf den Straßen verbracht. Schließlich faßte der Vater den Entschluß, die drei ältesten auf dem Lande in Pension zu geben; den Rest vom Sommer sollten sie dort bleiben.