Interviewer. Sie geben also zu, daß Ihre Motive egoistisch sind.
Autor. Ja! Ich habe mir eine Zeit lang eingebildet, ich sei Wunder was für ein Altruist, aber das war vielleicht ein Irrtum. Ich schlage nicht Lärm, um direkt etwas zu gewinnen, denn ich will weder Abgeordneter, noch Minister, noch reich werden! Ich stehe mir selbst in der Sonne, sagt man, und ich könnte sowohl Abgeordneter wie vermögend sein, wenn ich es hätte wollen können. Mein Egoismus ist also von der Art, daß er schließlich allen nützt, nur mir selbst nicht; höchstens vielleicht meinen Kindern, die eine andere Luft atmen werden; aber daran denke ich selten.
Interviewer. Aber ich finde, Sie haben den Helden Ihres Buches in ein vorteilhaftes Licht gestellt.
Autor. Das kann ich nicht finden. Er wird ja nach Ihren Begriffen ein lasterhafter, feiger, neidischer, selbstsüchtiger, hochmütiger, ungehorsamer, unmoralischer, gottloser Lümmel! Ist das so vorteilhaft?
Interviewer. Dann ist es jedenfalls dumm, den Helden so zu schildern. Auf diese Weise vernichten Sie ja die Wirkung Ihrer ganzen schriftstellerischen Tätigkeit?
Autor. Das kann ich nicht glauben. Man nimmt die Wahrheiten nicht an, weil sie von Herrn Strindberg ausgesprochen werden, sondern weil sie sich als wahr erweisen. Und übrigens, wer hat Luthers segensreiche Tätigkeit geleugnet, weil er im Verdacht stand, an einer venerischen Krankheit zu leiden? (Ja, das läßt Schück in seinem Buche über Shakespeare durchblicken!) Oder verwirft man Luthers Reformation, weil er die Nebenabsicht, zu heiraten, hatte? Wer fragt danach, ob Edison verschuldet war, ehe er das Telephon preist? Lassalle hat die alte Volkswirtschaft entlarvt und sich für den Arbeiter interessiert, obwohl er Austern und schöne Frauen liebte! Wer hat nicht seine Freude an Walter Scotts Romanen, trotzdem der Dichter tatsächlich für Geld schrieb, um das Schloß seiner Väter zurückkaufen zu können? Wer liebt nicht Tegnérs Dichtungen, trotzdem der Verfasser Onanist war? Gambetta hat die französische Republik gerettet, trotzdem er auch eine Million an Spekulationen verdiente; L. O. Smith hat dem schwedischen Arbeiter genützt, obwohl er ihn benutzt hat; C. O. Berg hat der Abstinenz gedient, trotzdem er eine Schlachthausgesellschaft bildete.
Interviewer. Aber Lehre und Leben müssen doch eins sein.
Autor. Wie können sie das? Bei euch Christen müßten sie es, aber bei uns Heiden liegt kein Grund vor. Ich glaubte einst, ich könnte Abstinent werden, aber ich bin dazu verurteilt, zu trinken, solange ich lebe, weil meine Väter seit Urzeiten getrunken haben. Das hindert mich aber nicht, den Nutzen der Mäßigkeit einzusehen (Abstinenz ist ein Irrtum), ja sie sogar zu empfehlen. Wir Atheisten haben also das Recht, größere Forderungen an euch Christen zu stellen, als ihr an uns stellen könnt. Beginnen Sie also diesen persönlichen Gesichtspunkt abzulegen, dann werden wir fortfahren! Eher beginne ich nicht.
Interviewer. Ich will jetzt auf das Buch zurückkommen. Es ist kein Roman; es muß also etwas Neues sein.
Autor. Wenn Sie mich durchaus auf dieser Leimrute fangen wollen, meinetwegen etwas Neues. Es ist ein Versuch, den ich in der Literatur der Zukunft mache.