Daß sich der Vater der Kinder wegen wieder verheiratete, daran war nicht zu zweifeln; daß er aber auch das junge Weib liebte, das ist sicher. Und warum sollte er nicht? Das ging niemanden etwas an. Aber die Erscheinung ist konstant: sowohl daß sich Witwer bald wieder verheiraten, wie schwer die Ehe auch gewesen sein mag; wie daß sie eine Untreue gegen die Verstorbene zu begehen glauben. Sterbende Gatten pflegen in der letzten Stunde am meisten von dem Gedanken gequält zu werden, daß der Überlebende sich wieder verheiraten könnte.
Die Brüder nahmen die Sache flott und beugten sich. Sie trieben den Vaterkultus wie Religion: glauben und nicht zweifeln. Sie hatten nie daran gedacht, daß die Vaterschaft nur eine zufällige Eigenschaft war, die jedem zufallen konnte.
Aber Johan zweifelte. Er geriet in endlose Erörterungen mit den Brüdern und griff den Vater an, weil er sich vor Ausgang des Trauerjahres verlobt hatte. Er beschwor den Schatten der Mutter, weissagte Unglück und Verderben, wurde zu Übertreibungen gereizt und ging weiter, als er wollte.
Das Argument der Brüder war: es geht uns nichts an, was Papa tut!
— Es ist wahr, daß ihr nicht darüber urteilen dürft; aber angehen tut es euch sehr.
— Wortklauber, sagten sie, denn sie wußten nicht, daß die Worte mehrere Werte haben können.
Eines Abends kurz darauf, als Johan von der Schule nach Hause kam, sah er, daß das Haus erleuchtet war und hörte Musik und Geplauder. Er ging auf das Zimmer und setzte sich hin, um zu arbeiten. Da kam das Hausmädchen: der Vater bitte ihn, hinunter zu kommen; es sei Besuch da.
— Wer?
— Die neuen Verwandten.
Er bat, einen schönen Gruß zu bestellen und zu sagen, er habe keine Zeit.