Die Stiefmutter war geschlagen. Sie wollte den Sabbat entheiligen, er aber nicht.
Die Familie fuhr ab. Johan ging in die Bethlehemskirche und hörte Rosenius. Der Raum war dunkel, unheimlich, und die Menschen sahen aus, als hätten sie die verhängnisvollen fünfundzwanzig Jahre erreicht. Bleigrau im Gesicht, erloschne Blicke. Sollte dieser Dr. Kapff sie alle zu Jesus gescheucht haben? Sonderbar war es.
Rosenius sah wie der Friede selbst aus und strahlte von himmlischer Freude. Er gestand allerdings, daß er ein alter Sünder sei, aber Jesus habe ihn gereinigt, und jetzt sei er glücklich. Er sah auch glücklich aus. War es möglich, daß es einen glücklichen Menschen gibt? Warum wurden dann nicht alle Pietisten!
Johan hatte jedoch die Gnadenwirkung noch nicht erfahren; in ihm war noch Unfriede. Es war ein zu kleines Publikum, als daß er hätte glauben können, nur in diesem Haus hätten die Seligen ihre Wohnung. Alle die großen Kirchen, in denen tote Priester predigten, waren ja voll von künftigen Unseligen.
Am Nachmittag las er Thomas a Kempis und Krummacher. Darauf ging er nach Haga hinaus und betete die ganze Nordzollstraße entlang, daß Jesus ihn suchen möge. Im Hagapark saßen kleine Familien mit Eßkörben, und die Kinder spielten. War es möglich, daß all diese in die Hölle kommen sollten? Ja allerdings! Unmöglich, antwortete sein guter Verstand. Aber es war so. Eine Kalesche mit feinen Herren und Damen fuhr vorbei. Und die dort, die waren längst verurteilt! Aber sie waren wenigstens lustig. Die lebhaften Bilder fröhlicher Menschen verdüsterten ihn noch mehr, und er empfand die furchtbare Einsamkeit in einer Volksmenge.
Er hatte sich müde gedacht und ging nach Hause, niedergeschlagen wie ein Dichter, der mit Gewalt Eingebung gesucht, sie aber nicht hat finden können. Er legte sich auf sein Bett und sehnte sich fort von dem ganzen Leben.
Abends kamen die Geschwister nach Hause, fröhlich und geräuschvoll, und fragten, ob er sich vergnügt habe.
— Ja, antwortete er; und ihr?
Und er mußte Einzelheiten von dem Ausflug hören und fühlte jedesmal Stiche im Herzen, wenn er sie beneidete. Die Stiefmutter sah ihn nicht an, denn sie hatte den Sabbat entheiligt. Das war sein Trost!