Warum er hierhergekommen war? Ja, er konnte sich doch nicht seinem Sohn gegenüber beklagen, denn der stand natürlich auf Seite der Mutter; und im übrigen hatte er sich ja durch seine Unvorsichtigkeit im Hause Hände und Zunge gebunden. Er mußte irgendwo in dem Bezirk bleiben, wo die Scheidung verhandelt werden würde, und hier war doch eine Art Heim, wo er mit einigem Recht sich aufhalten konnte.

Als nun Anders gekommen war und seine erste Verzweiflung sich gelegt hatte, ging er zum Vater hinein; und da er ein einfaches Gemüt hatte und verzweifelt war, konnte er weder Freude über das Wiedersehen an den Tag legen, noch ihn willkommen heißen, besonders da er von der bevorstehenden Scheidung wußte.

»Guten Tag, mein Junge,« sagte der Vater, der sofort in den leichtverständlichen Mienen des Sohnes las. »Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, denn ich werde weder lange bleiben, noch die Pacht von dir verlangen.«

Anders kaute auf dem Schnurrbart und zwinkerte mit den Augen, denn die bloße Erinnerung an die Schuld war ihm eine Qual. Dieses Schweigen machte den Vater nervös, und er mußte selber sprechen.

»Du weißt vielleicht, welche Veränderungen in meinem Hause bevorstehen – hm! – aber es wird bald entschieden sein.«

Anders' Gedanken waren so fern. Er hatte auf einen angenehmen Abend mit seiner Frau gehofft, an dem er unter dem sichern Schutz des erworbenen Geldes seine Reiseabenteuer erzählen wollte, und nun saß er hier und zitterte vor unangenehmen Fragen hinsichtlich des leeren Speichers und ähnlichem. Der Vater merkte wohl an seinen nach innen gekehrten Augen, daß er abwesend war; doch er verstand die Situation nicht recht.

Daß er ungelegen gekommen war, begriff er; aber er mußte aus der Verlegenheit heraus, und als er keine Antwort erhielt, wurde er selbst vernagelt und begann mit den Augen zu blinzeln wie einer, der nach einem neuen Gesprächsthema sucht. Ebenso unglücklich war die Wahl des Stoffes, den er in geheimem Gedankenlesen aus dem Bewußtsein des Sohnes schöpfte. Die Furcht, daß der wunde Punkt berührt werden könne, machte gerade diesen Stoff frei. Er mochte in den leeren Augen des Sohnes den leeren Speicher gesehen haben und wurde gegen seinen Willen dahin getrieben.

»Nun, du hast die Bücher abgeschlossen, und du bist mit deinem Jahr zufrieden? Volle Scheunen und Speicher?«

Anders wurde von der Wut übermannt, sich bloßgestellt zu sehen, wurde vor Zorn noch stummer, wollte aufstehen, um den unsichtbaren Faden abzuschneiden, suchte einen Vorwand, hätte gern von draußen gehört, daß die Frau polterte oder die Kinder sich prügelten; er war in kalten Schweiß gebadet, saß aber fest auf dem Stuhl.

»Bist du taub oder bist du betrunken?« schrie der Vater, der nicht ein Wort aus dem Angeredeten herausbekam.