Der Stallknecht, der seinen Lohn nicht erhalten und am Abend vorher vom Herrn Schelte bekommen hatte, war heute besonders mitteilsam. Und als der Redakteur den Pferdestand leer sah, erzählte der Knecht sofort, das Pferd sei verkauft, ebenso der Schlitten; er war auch nicht faul, zu erzählen, daß der Speicher leer, der Hof verfallen und der Boden ausgesogen sei.

Das war ein neuer Schlag für ihn, da er für die Pacht Bürgschaft geleistet hatte; und er war eben im Begriff, nach dem Hause zurückzugehen, als eine kleine, windige Figur an ihn herantrat und fragte, ob er Redakteur Borg sei. Nachdem er sich zu erkennen gegeben hatte, wurden ihm zwei gestempelte Schriftstücke eingehändigt, die er durchflog und in die Tasche steckte.

Statt zusammenzuschrumpfen, schien er zu wachsen, denn er hatte nun etwas, gegen das er reagieren konnte, etwas, was zu fassen war.

Er wendete sich zu dem Polizeidiener und fragte: »Glauben Sie, daß man bei dem nächsten Nachbarn Fuhrwerk bekommt? Ich muß nämlich um elf auf dem Pfarrhof sein.«

»Der Nachbar pflegt immer Fuhrwerk zu haben,« antwortete der Polizeidiener und damit ging er.

Gustav Borg sah nach seiner Uhr und konstatierte, daß er mit Pferd und Schlitten rechtzeitig zu der Sitzung des Kirchenrats kommen werde, zu der er zwecks Entgegennahme der Verwarnung geladen war. Er knöpfte den Rock wieder zu, begann zu marschieren und fühlte sich wie ein Soldat, der zu einem Feldzug aufbricht.

Aber der Schnee war tief, der Weg ungebahnt, und das Gehen wurde bald beschwerlich.

Er hatte gute Zeit, über seine Lage nachzudenken.

Von den beiden barbarischen Arten, ein vieljähriges Zusammenleben zu lösen, hatte man also die demütigende und schamlose gewählt, die Gatten dem Gerichtshof, der Kirchenrat hieß, auszusetzen. Da würden sie sitzen und einander bloßstellen, sich gegenseitig anklagen und wie Unmündige Ermahnungen entgegennehmen. Ein ganzes langes Zusammenleben würde aufgerollt werden, obwohl mein und dein ihre Wurzeln so verflochten hatten, daß das eine nicht abgetrennt werden konnte, ohne daß das andere zerriß; wo Schuld und Nichtschuld unmöglich abzuwägen war, wo Ursache mit Wirkung verwechselt wurde und umgekehrt, wo alles Alte, das vergeben und vergessen war, ausgegraben und in neue Beleuchtung gesetzt werden sollte; was in Liebe vergeben war, sollte jetzt in Haß angeklagt werden.