»Hält die Kirchbucht denn?«
»Ja, gestern hat sie gehalten, heißt es.«
»Also dann leben Sie wohl, Schöffe. Aber richtig: kann ich hier für den Winter das Sommerzimmer mieten?«
»Ja, das wird wohl gehen!«
»Ich komme zurück, dann sprechen wir darüber.«
Und nun begann der Marsch wieder. Jetzt wußte er, daß er hin mußte, hin mußte, um sich zu verteidigen, falls die Angabe von Motiven wenigstens als mildernder Umstand gelten konnte, da das Gesetz private Abmachungen, die zu der geltenden Verfassung im Widerspruch standen, nicht anerkannte.
Als er eine halbe Stunde gegangen war, kam die Sonne hervor, und da sie tief stand, brannte sie. Er machte den Rock auf und nahm den Hut in die Hand. Der Schnee schmolz halb, wurde feucht und ballte sich unter den Stiefeln. Die Schritte wurden immer schwerer, die Atemnot wuchs und die schweißigen Unterkleider brannten wie Nesseln.
Aber er mußte vorwärts. Wie er sich nach einer neuen halben Stunde umdrehte, sah er seine Fußspuren eine krumme Linie von Vertiefungen bilden.
Nach abermals einer halben Stunde kam er an die Landstraße; mit wiedergewonnenen Kräften marschierte er, wie befreit von Fußfesseln, und als er auf eine Höhe gelangte, sah er in der Ferne die Kirche. Doch die Bucht trennte, und die sah man nicht von seinem Beobachtungspunkt. Dann ging es abwärts, und er lief zu den Fischerhäusern hinunter. Da blieb er stehen und sah – die Bucht offen liegen, blau, satirisch lächelnd, zwischen sich und dem Walplatz, wo die Schlacht stattfinden sollte; als er auf die Uhr blickte, sah er, daß zehn Minuten an elf fehlten. Er stürzte zum Fischer hinein und fragte nach einem Boot.
»Das Boot ist versenkt, weil es gedichtet werden soll.«