Sie explodierte deshalb und plapperte über die Gleichheit von Frau und Mann, daß die Natur sie gleich gemacht habe (das weiß der Teufel), wenn auch der Mann die Frau als Sklavin behandle (als Herrin des Hauses) und diesen ganzen Unsinn, den auch die dekadenten Männer der Zeit wiederkäuten.
Schließlich schlug der Vorsitzende mit dem Hammer auf den Tisch und erklärte, das Gericht sei das rechte Forum für den Scheidungsprozeß, der Frauenklub aber das Forum für Weibergezänk.
Darauf verwarnte er die Gatten und erklärte die Sitzung für aufgehoben.
Dies war der gewöhnliche Ausgang der Gespräche zwischen Mann und Frau am Ende des Jahrhunderts: die Sitzung wurde aufgehoben.
Die Frauenfrage, das größte und schwierigste Problem der damaligen Zeit, war wohl sozusagen die letzte Deduktion der Demokratie in absurdum. Alle Menschen seien gleich (obwohl sie so ungleich sind); das war die falsche These. Die Demokraten mußten sie beibehalten oder ihre Grundsätze verleugnen. Die Aristokraten machten mit, teils um Stimmen zu bekommen und die Taschen der Demokratie zu bestehlen, teils weil sie in der Frau nach ihrer veralteten Weltanschauung ein höheres Wesen sahen.
Da war so viel Scheinbares und so viel Wirkliches. Die Frau, die ein Mann liebt, ist ihm anscheinend überlegen, so lange er sie liebt, aber nur ihm, und sie erscheint nur ihm so, denn es gehört zur Liebe des Mannes, daß er sie über sich stellt und auch über andere. Nun aber wurde dies in ein System gebracht und der Mann dankte ab. Nie hat man den Mann so auf dem Bauch kriechen und den Boden unter den Füßen der Frau fressen sehen wie damals. Männer, von denen man Besseres geglaubt hatte, ergötzten sich daran, auf Salonteppichen zu den ungewaschenen Füßen der häßlichsten Frauen zu liegen. Statt daß wie früher auf der Straße der Mann der Frau den Arm bot, was schön wirkte, weil es richtig war, sah man jetzt die dekadenten Männer von ihren Frauen geführt werden.
Die Frauen kleideten sich wie Männer und die Männer wie Frauen; das Armband ging auf den Mann über. Das war Perversität, und man begann unangenehme Verwechselungen der Geschlechter wahrzunehmen; während aber die perversen Männer ausgesprochene Frauenfreunde waren, sei es, weil sie ihr Gebrechen vertuschen wollten, sei es, daß sie etwas Weibliches in ihrer eigenen Natur sich regen fühlten, wurden dagegen die perversen Frauen ausgesprochene Hasser des männlichen Geschlechts, woraus sie kein Hehl machten; und ihre Lebensaufgabe war, die Ehe zu sprengen, – natürlich um die Frau zu befreien.
Das Problem, das von Kreti und Pleti durcheinandergewirrt worden war, konnte jedoch auf die eine Formel reduziert werden: Die Befreiung der Frau sollte Befreiung von Kindergebären und Kindererziehen sein. Glaubt ein vernünftiger Mensch an ein solches abnormes Verhalten der Natur? Und wer soll Kinder gebären, wenn nicht die Frau? Das war ja alles Unsinn! Aber auch im Staat der Zukunft, in dem die Frau arbeitete, mußte die Frau doch in der Regel Kinder haben, so daß eine Emanzipation im eigentlichen Sinne wohl nie zustande kommen konnte. Warum also um einiger hysterischer Frauen willen die Gesellschaft um und um kehren?
Indem sie den Männern die Stellen wegnahmen, wurde ja für jeden brotlosen Mann eine Ehe unmöglich; dadurch wurden die Ehen vermindert und die Prostitution erhöht! Und dafür arbeiteten Staatserhalter und Sittlichkeitsfreunde.
Es war die reine Verrücktheit!