»Zum Teufel, dann soll sie aber auch keine Sodomiten erziehen. Zwei gehören dazu, und ich bin der eine.«

Die Mutter drohte zum Rechtsanwalt zu gehen. Das sagte sie immer.

Aber es gab noch einen andern Faktor, der störend auf die Ehe einwirkte, und das war der damals von einem berühmten Arzt erfundene Kognak. Den benutzte die Frau als Universalmittel gegen alle Krämpfe und meistens vormittags gegen Nervosität und abends gegen Schlaflosigkeit. Die anscheinend unschuldigen kleinen Gläser verdarben Stimmung und Appetit, brachten zu unrechten Zeiten Schlaf und verscheuchten die Nachtruhe. Obwohl es mit dem Erfinder selbst, dem Professor, der Autorität, ein schlimmes Ende nahm und er ein Opfer seiner Kognakhypothese wurde, setzten die Damen das Trinken fort.

Wenn der Doktor seine Frau warnte, berief sie sich immer auf den Professor.

»Der Professor muß es wohl besser verstehen als du, der du nicht einmal Dozent bist.«

Mit einem Wort, die Ehe war reif, so überreif, daß, als der Bruderzwist aufflammte, ein leichter Windstoß sie zum Bersten brachte.

Frau Dagmar schrieb in der Frauenzeitung gegen die Theorien ihres Mannes, die sie anführte, ohne jedoch seinen Namen zu nennen, verdächtigte ihn als Reaktionär und warnte die liberalen Wähler vor einem solchen Kandidaten. Damit war offen der Krieg erklärt, und die Gatten hausten jeder in einem Teil der Wohnung.

Aber die Katastrophe selbst wurde durch ein kleines Ereignis beschleunigt, das wie bestellt eintrat.

Eines Morgens zur Zeit der Sprechstunde kam eine sehr gut gekleidete Dame zu dem Doktor. Dieser war erstaunt, denn die Damen hatten ihn in den Bann getan, weil er »unfein« war; er wollte nämlich ihre Andeutungen nicht verstehen, sondern sprach ihre Hintergedanken ungeschminkt aus; deckte ihre Geheimnisse auf, ohne sie fragen zu müssen.