Ingenieur Borg kannte die Verhältnisse an den Theatern nicht, aber es hatte ihn gereizt, daß das schlechtere sich einer Protektion erfreute, die das bessere hinderte, emporzukommen. Daß da manche häßliche Dinge vorgekommen waren, wußte er, aber darum kümmerte er sich nicht, und von der intimen Rolle, die sein Kritiker in dem königlichen Lustgarten spielte, ahnte er nichts. Deshalb schlug er los mit einem Artikel gegen »ungesetzliche Protektion« und trat damit in den Kohlgarten seines Rezensenten. Darauf folgte die Entlarvung, bei der herauskam, daß gerade seine Zeitung die Misere unterstützt hatte. Das war ärgerlich, und Ingenieur Holger war weitergegangen, als er wollte, hatte an ein faules Ei gerührt und sich einer Majestätsbeleidigung schuldig gemacht.
Die Klage war noch nicht erhoben, aber man sprach in den höheren Kreisen darüber, und auf der Redaktion rüstete man sich zum Kampf.
Während dieser allgemeinen Aufregung kamen Max und Esther in die Redaktion, um Holger aufzusuchen.
Dieser war in sprühender Stimmung und freute sich über das Ereignis, das Anlaß geben würde, allerlei alten Kram zu ordnen. Er begrüßte die Schwester und Max, den er schon Schwager nannte und als solchen betrachtete, denn in den Vorstellungen der Jüngeren stand fest, daß eine Verlobung die Veröffentlichung einer erlaubten Verbindung sei.
»Also ihr wart auf dem Pfarramt und habt Schelte bekommen! Was wolltet ihr da auch? Die eigenen Kinder der Kirche sind die Stiefkinder; Israeliten, Freikirchler und Mormonen werden aufgeboten, wir aber, die zu dem rechten Schafstall gehören, werden es nicht. Hört einmal, wenn ihr Lust habt, so will ich selbst Hochzeit halten und euch in der Zeitung aufbieten, zum ersten, zweiten und dritten Mal.«
»Wir hätten alle Formalitäten übergangen,« antwortete Esther, »wenn Mutter uns nicht gezwungen hätte.«
»Mutter, ja? Wie geht es ihr?«
»Sie sagt, sie sei krank, und hat sich nach einem Auftritt zu Bett gelegt …«
»Ja, das mit dem Alten war ja furchtbar, aber in diesen Zeiten muß man um seine persönliche Existenz kämpfen, und wer fällt, bleibt ungerächt liegen.«
Jetzt klingelte im Zimmer nebenan das Telephon.