Als Esther und Max in der Villa auf Storö anlangten, sahen sie weiße Laken vor den Fenstern hängen. Auf dem Flur kamen ihnen die kleinen Kinder entgegen, die schwarz gekleidet waren. Sie hatten keine Vorstellung vom Tode und schienen sich in dem Frieden und der Stille, die nach den Stürmen herrschten, wohl zu fühlen.
»Mama ist tot!« sagte der Knabe, als berichte er irgend etwas Beliebiges, und mit einem kleinen Anflug von Stolz, als erster eine Neuigkeit überbringen zu können.
Als Esther mit der Wirtschafterin in das Zimmer der Mutter trat, erinnerte sie sich sofort daran, daß sie Ärztin war, und untersuchte den toten Körper, der wirklich als tot befunden wurde. Der Gesichtsausdruck war genau der gleiche, den sie bei ihrem letzten Zusammensein bemerkt hatte, als das Brüllen des Vaters aus dem Garten ertönt war, und das veranlaßte sie, an eine psychische Todesursache zu denken. Es gab also etwas, was Seele hieß, es existierten Gefühle und ähnliche Dinge, die nicht aus Zellen und Geweben hergeleitet werden konnten.
Als sie das, was sie wollte, konstatiert hatte, fragte sie die Wirtschafterin:
»Hat der Herr, hat mein Vater sich hier im Hause sehen lassen, nachdem er es verlassen hat?«
»Nein, das hat er nicht; aber … aber er ist wohl gemütskrank, denn man hat ihn gehört … die ganze Nacht und den Tag über hier draußen im Walde.«
»Gehört?«
»Ja, er hat geschrien, so daß die Frau nicht schlafen konnte. Aber als die Frau tot war, wurde er still.«
»Wie seltsam! Wo ist er denn jetzt?«