»Wo hast du das gelesen?«

»Ich habe es nicht gelesen, ich habe es beobachtet, an Alltagsmenschen. – Und wenn ein Mann von Liebe erfaßt wird, von großer Liebe zu einer Frau, so hast du wohl seine Transformation gesehen. Das erste ist, daß er abmagert, aber in schöner Art. Alle Gewebe werden subtiler während der Verlobung, er ändert, ohne sich dessen bewußt zu sein, seine Diät. Bevorzugt Obst, Milch und Wein; verträgt nichts Scharfes oder schlecht Riechendes. Der Körper bereitet sich auf die neue Geburt vor, um die Emanationen ihrer Seele aufzunehmen; er bewacht seine Handlungen und Gedanken, denn er weiß, daß jetzt alles von ihm abhängt. Er will sie nicht von weitem besudeln, und er weiß, daß sie leidet, wenn er böses denkt. Ist dir aufgefallen, wie sein Äußeres sich vergeistigt, wie ein Leuchten von ihm ausgeht, wie er phosphoresziert; wie der Einfältige scharfsinnig, der Dumme geistreich, der Häßliche schön wird? Das ist die Vermählung der Seelen!«

»Das verstehe ich nicht!« unterbrach Esther.

»Nein, das weiß ich,« antwortete Max, »und deshalb ist unser Verhältnis zu Ende!«

»Zu Ende!«

»Ja, zu Ende! Denn ich bin schon von dir gelöst!«

Jetzt sprang Esther zornig auf:

»Ich habe dich nie besessen!«

»Nein, du konntest mich nicht bekommen! Du gehörtest nicht meinen Regionen an.«

»Und das sagst du so kalt!«