»Ja, warum lädst du solche Vagabunden in Uniform ein?« tröstete der Mann.
»Ach, das sind keine Vagabunden, aber du schreibst wie ein Vagabund in der Zeitung, und deshalb will kein ehrenhafter Mensch mehr zu uns kommen.«
Das war die ganze Ansicht der Frau über seine Tätigkeit. Er hatte das schon lange gefühlt, aber die Frau hatte sich so oft als sein guter Genius feiern hören, daß sie der Rolle zuliebe gern seine Artikel inspiriert haben wollte, wenn sie mit Beifall begrüßt wurden. Das offene Eingeständnis, daß sie seine Anschauungen verachte, traf ihn gerade jetzt, wo er Anerkennung brauchte, wie ein Schlag ins Gesicht, aber er konnte nicht böse auf sie werden, obwohl sie ihn in diese Kreise hineingebracht hatte, in die er nicht gehörte.
Er ging in das Eßzimmer, das er mit der geplünderten Tafel leer fand; die Diener standen wartend da, und er schämte sich vor ihnen. Die Gäste waren ohne Abschied gegangen. Das Heim war beschmutzt, und er selbst beschimpft, gedemütigt. Aber in diesem Augenblick beschloß er, das Haus zu reinigen und nicht mehr der Eitelkeit seiner Frau zu erliegen. Es würde ihn sein zerbrechliches Glück kosten, das nur eingebildet war, aber es mußte geschehen.
Er zog sich an, um in die Redaktion zu gehen. Da bekam er die Nachricht, daß die Klage erhoben sei, und das klärte plötzlich seine Stellung. Es war die Kriegserklärung, und in den Abendzeitungen wurde bereits der Aufmarsch vollzogen. Kein Kompromiß mehr, keine Illusionen hinsichtlich der Versöhnung zwischen den Klassen; die oberen hatten das Obergewicht, und nachdem sie vom außerordentlichen Reichstag die Armee bekommen hatten, eröffneten sie den Kampf.
Am Tage bevor er ins Gefängnis mußte, hatte er eine Szene mit seiner Frau, die sie entzweite. Sie verlangte, er solle um ihretwillen ein Gnadengesuch einreichen. Als er sich weigerte, erklärte sie, er sei kein Mann, denn ein Mann müsse sich für seine Frau opfern.
Er war so verstrickt in seine Theorien, daß er keine Erwiderung fand; aber in diesem Gefühl der Wehrlosigkeit wurde jetzt zum erstenmal der Widerstand geboren, der die Befreiung werden sollte.
Warum konnte er nicht antworten? Weil ihr Verlangen so dumm war, daß es keine passende Antwort darauf gab.