»Ja, man sagt es, aber sie sollen auch die Kirche verspielt haben.«

»Das Monument der Niederlage bei Lützen. Die Leute sind köstlich bei uns zu Lande, sie feiern ihre Niederlagen; sie werden nächstens auch noch Pultawa feiern.«

»Übrigens die Gelben, da sollen auch falsche Ahnen sein, denn die gelbe Brigade bei Lützen wurde von Deutschen gebildet und stand im Zentrum; im übrigen bestand eine Brigade aus mehreren Regimentern, und diese gelbe Brigade stammt erst aus der Freiheitszeit.«

»Ja gewiß, aber kommen diese Kassenverwalter ins Gefängnis?«

»Nein, sie werden befördert; wer jedoch darüber zu sprechen wagt, kommt sicher ins Gefängnis! Ich hatte diese Geschichte in meinen Artikel einflechten wollen, besann mich aber; jetzt bereue ich es.«

Sie gingen an dem Kleinen Theater vorbei, das zur Galavorstellung hell erleuchtet war.

»Das Repertoire des Volkstheaters und die Prätentionen eines Nationaltheaters, Königliches Theater, begründet von dem Majestätsbeleidiger Anders Lindeberg; beginnt und endet mit einer Majestätsbeleidigung! Welch ein Paradoxon!«

»Ein Nationaltheater, das von einer Bordellwirtin vom Strandweg geleitet wird und sich rekrutiert aus … nun ja; aber die Großen werden ausgeschlossen; Antigone und Julia sind geflüchtet, Hamlet und Horatio gehen müßig auf dem Markt spazieren und warten auf das Ende. Der Geschmack ist auf den Höhen nicht auf der Höhe. ›Lustig und schmutzig!‹ das ist ihr Ideal. Vor dem Ernst haben sie Angst.«

»Es ist köstlich mit den alten Idealisten; die Zeitung ›Allerlei‹ proklamiert Paul de Kock als unschuldig, und die Postzeitung beschützt den ›liederlichen und gottlosen‹ Anatole France! Was bedeutet das?«

»Das ist Barrabas! Jeder Beliebige wird freigegeben, selbst Barrabas, nur nicht der große Zola! Sie haben ein Grauen vor allem Großen und Starken, weil sie klein und schwach sind. – Weißt du, vorhin in der Oper, als sich die Hand von hinten schwer auf mich legte, da fragte ich mich, was der Unbekannte eigentlich wolle. – Ein armer Tropf ohne Selbst, der keine Gewalt über mich hat, erweitert seine unbedeutende Person, indem er sich zu einem Teil des Hofes macht. Er will, ich soll seinen Gott anbeten, weil es sein Gott ist, dann fühlt er sich einen Augenblick mir überlegen. Es ist eine Art Kolonietier, Korallen, die in Klumpen leben und wachsen. Sie haben keine Gedanken, sondern nur Erinnerungen an das, was sie in Zeitungen, Büchern gelesen, was sie haben erzählen hören; wenn sie lesen, assimilieren sie alles ungereinigt, Korn und Steine, Blutklöße und Dreckklumpen; und wenn sie reden, öffnen sie den Sphinkter und lassen alles zum Munde hinaus, der ihr Anus ist. Das ist die Majorität, das treue Volk, der gesunde Verstand, der nur Unverstand ist; das sind die Rechtdenkenden, die Stillen im Lande, der Kern der Bevölkerung. Und sie alle sind herrschgierig, können aber nur durch den Herrscher herrschen, der ihr Werkzeug wird, während er durch sie herrscht. – Weißt du, ich werde Anarchist gegen meinen Willen!«