Gerettet ist das edle Glied
Der Geisterwelt vom Bösen;
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.
Aber ich verstehe auch die Rolle, die berechtigte Rolle des Mephistopheles. ›Der Herr‹ legt sie so aus:
Ich habe deines Gleichen nie gehaßt.
Von allen Geistern, die verneinen,
Ist mir der Schall am wenigsten zur Last.
Höre jetzt genau zu!
Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,
Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen!
Das ist die Aufgabe des Verneiners, die Berechtigung des Bösen in der Ökonomie des Lebens. Da hast du die Gleichung unseres Doktors; der Widersacher, der Fehlersucher, der seine Aufgabe wie ein Mann versieht, und der sehr nützlich ist in diesen Zeiten, da die Versöhnten einander in Schmeicheleien und gegenseitigem Lob überbieten. – Jetzt müssen wir gehen; die Kirche soll geschlossen werden!«
Sie gingen, und wie in schweigendem Einverständnis lenkten sie die Schritte nach den Inseln. Das waren ihre besten Stunden, wenn sie zusammen wanderten. Wenn sie sich im gleichen Takt vorwärtsbewegten, waren sie ja gezwungen, gleichen Schritt zu halten und sich einander anzupassen; dadurch entstand eine Harmonie, die sich auf gegenseitiges Nachgeben gründete; die Blicke der Menschen bewahrten sie vor zudringlicher Annäherung, und dadurch, daß fortwährend neue Gegenstände defilierten, wechselten die Stimmungen und damit die Unterhaltung.
Als sie sich müde gelaufen hatten, wollte Esther auf der neuen Opernterrasse sitzen. Nach einigem Zögern ging Max mit. Und nun saßen sie sich an einem Tisch gegenüber; es wurde intimer, und sie blickten sich in die Augen.
»Wie sollen wir aus dieser Sache herauskommen, Esther?« fragte Max.
»Ich weiß es nicht! Ich wünsche es, und wünsche es nicht.«