»Du scheinst diesen Prozeß gründlich studiert zu haben.«

»Ja, genauer, als ich dir gegenüber zugeben darf; und … Also hier sind die Ziffern deutsch; doch er hat das Datum geändert, die 15 aus einer 13 gemacht. Warum hat er zuerst 13 geschrieben, da er doch beim Diktat leicht den Unterschied zwischen fünfzehn und dreizehn hören konnte? Ja, weil am dreizehnten etwas geschehen ist, was du nicht weißt! Die Schrift des Bordereaus ist also als Beweis wertlos, da der Mann zwei Handschriften hatte, von denen die Kindheitsschrift bei gewissen Gelegenheiten hervortrat.«

»Glaubst du denn nicht, daß er den Bordereau geschrieben hat?«

»Das weiß ich nicht! Aber da er nicht auf Grund dieses Schriftstücks verurteilt ist, sondern auf Grund einer Menge Indizien, ist es gleichgültig. Sonderbar ist, daß man eine Abschrift des Bordereaus in Dreyfus' Weste gefunden hat, als er nach der Ile de Rez gebracht werden sollte. Wo hatte er die her, da er im Gefängnis keinen Zugang zum Original hatte; und was wollte er mit ihr, da sie ihn zu Fall brachte? Weiß man, ob die Kopie das Original war oder nicht?«

»Woher weißt du das?«

»Das steht doch in den Prozeßberichten, und er hat die Existenz der Kopie in der Weste nie abgeleugnet, da sie einmal gefunden worden war. Warum interessierst du dich so sehr für diesen Prozeß?«

»Das kann ich nicht sagen.«

»Jetzt sitzt er jedenfalls auf der Insel, die von manchen du Diable, von andern du Salut genannt wird. Es ist kurios. Und man spricht von vorbeifahrenden Jachten, die ihn befreien wollen.«

»War er Jude?«

»Ja gewiß; aber das sprach nicht gegen ihn in dem aufgeklärten Frankreich, wo das Heer schon sechsunddreißig jüdische Offiziere hatte und wo Dreyfus, trotz seiner deutschen Herkunft, in den Generalstab aufgenommen wurde, eben weil er Jude war. Man wollte nämlich aufgeklärt und vorurteilsfrei erscheinen. – Daß aus diesem Ei etwas herauskommt, glaube ich zu wissen. Es ist wohl ein Basiliskenei!«