»Wir exportieren Eisen, das ist sicher, aber wir importieren auch; einhundertzweiundsechzig Millionen Kilo Stangeneisen werden ausgeführt, einundzwanzig Millionen aber eingeführt; einundneunzig Millionen Kilo Gußeisen werden ausgeführt, fünfzig Millionen aber eingeführt; und wir haben in einem Jahre fünfundfünfzig Millionen Kilo Eisenbahnschienen vom Ausland gekauft. Wovon lebt Schweden?«

»Vom Pump,« antwortete Doktor Borg ohne Besinnen.

Isak lachte.

»Ja, vom Pump, aber so etwas pflegt mit einem Krach zu enden, wenn die Zinsen nicht bezahlt werden können, und bisweilen endet es mit Gefängnis, wenn man als leichtsinniger Schuldner befunden wird. Man stelle sich vor, wenn ganz Schweden als leichtsinniger Schuldner ins Loch müßte.«

»Ja,« erwiderte der Doktor, »das war einmal Arvid Falks Meinung, als er noch auf der Mauer stand und tauben Ohren prophezeite.«

»Ein sonderbarer Kerl, dieser Falk, der schließlich mit sich selbst in Streit kam …« warf Isak ein.

»Nein, das kann ich nicht finden,« nahm der Doktor das Wort. »Er experimentierte mit Standpunkten, und als gewissenhafter Experimentator nahm er Kontrollexperimente vor, stellte sich versuchsweise auf die Seite des Gegners, las Gegenkorrektur, prüfte die Zahlen von unten, und wenn das Gegenexperiment negativ ausfiel, kehrte er zu dem erprobten Ausgangspunkt zurück. Das begreift ihr nicht. Falk aber war sich klar darüber, daß er Kierkegaards Methode anwandte. Dieser erdichtete Verfasserpersönlichkeiten und gab sich jedesmal ein neues Pseudonym. Victor Eremita ist ein anderer als Johannes Climacus; Constantin Constantius ist nicht Johannes de Silentio, alle zusammen aber sind Sören Kierkegaard. Falk war ein Vivisektor, der mit seiner eigenen Seele experimentierte, hatte immer offene Wunden, bis er sein Leben für das Wissen, ich will nicht das mißbrauchte Wort Wahrheit anwenden, hingab. Und sollten seine gesammelten Schriften einmal herauskommen, so dürfte nicht ein Wort geändert werden, sondern alle Widersprüche würden sich in dem gemeinsamen Kierkegaardschen Titel lösen: Stadien auf dem Wege des Lebens.«

Jetzt plätscherte der Dampfer in die Kirchbucht hinein, und beim Landen mußten die Passagiere, Freunde und Feinde, zusammentreffen.