»Das warst du aber auch nicht,« antwortete der ungeschminkte Doktor.

Als da die Frau nur mit einer Miene antwortete, die bedeuten konnte: Ich? das ist etwas anderes! begriff er, daß es sich hier nicht um Gleichheit handelte, sondern um Tyrannei, und als Tyrannenhasser zog er das Schwert.

Mit einem unlenksamen Menschen, der für Gründe, Tatsachen und Logik unempfänglich ist, kann man nicht lange kämpfen; ein wertloses Schlachtfeld gibt man auf, und mit einem Unbewaffneten läßt man sich nicht ein. Aber er blieb bis auf weiteres in der Schlangengrube, um der Kinder willen, und wartete den Augenblick ab, da er sicher sein würde, daß die Kinder ihn nicht vermißten, wenn er ging. Es war ein eigentümlicher Zug der Männer dieser Zeit, daß ihre Gefühle für die Kinder stärker waren als die der Mütter, die die gesunden Instinkte verloren zu haben schienen und das Leben außer dem Hause aufsuchten, während die Männer noch für das häusliche Leben schwärmten.

In einem berühmten Scheidungsprozeß wurde von seiten des Mannes gegen die Frau die ungewöhnliche Beschuldigung erhoben, er müsse abends allein zu Hause sitzen, während die Frau mit seinen Freunden im Wirtshaus sei. Das freche und einfältige Weib wagte einzuwenden, der Mann lasse sie allein sitzen (im Wirtshaus), deshalb müsse er die Folgen tragen.

Doktor Borg stand allein in seinem Kampf; und er versuchte gerade aus der in Mode gekommenen neuen Weltanschauung seinen Freunden zu beweisen, daß sie, wenn sie konsequent seien, gegen die Geschlechtsverwechselung Front machen müßten. Er versuchte es mit der durch die ganze Natur gehenden Arbeitsteilung, die zu Kraftersparnis und Vollkommenheit führt.

»Dem Manne Kraft und Außenarbeit; der Frau Schönheit und Innenbeschäftigung! Je größer der Unterschied des Geschlechts ist, desto besser die Nachkommen (Differenzierungsgesetz).«

Aber es ging nicht; auch die stärksten Naturalisten konnten »im Geschlecht keinen Unterschied sehen«. Und sie starteten eine weibliche Größe nach der anderen; sie fanden eine Seligkeit darin, ihre Unterlegenheit unter die Frau kundzutun.

»Das ist Päderastie oder Selbstbefleckung,« pflegte der Doktor dann aufzubrausen. »Ihr habt ja alles Selbstgefühl als Männer verloren, wenn ihr euch unterlegen fühlt; und wenn ihr eure Inferiorität empfindet, so seid ihr wohl auch inferior!«

Seltsam war es, aber ein Teil von den führenden Männern war pervers; viele wurden freilich verleumdet, aber eine Anzahl war es notorisch, ebenso wie viele bekannte Frauen verdächtig oder überführt waren.

Nun wurde der Doktor natürlich als Frauenhasser bezeichnet. Das focht ihn nicht an, denn er wußte, daß es Lüge war. Und er konnte antworten: