Der Schwager, der durch diesen Ausbruch und diesen Sieg das am Morgen verlorene Selbstgefühl wiedererlangt hatte, begann aus seiner Verschrumpfung aufzuschwellen; und da er sich einen ehrenvollen Abgang sichern wollte, bevor der Feind sich hatte sammeln können, feuerte er die letzte Salve ab.

»Du bist ein Pater, aber kein Geistlicher; du beginnst das Morgengebet im Stall mit Bier und Branntwein, dann hältst du deinen Frühstücksschlaf und spielst Brett bis zum Mittag; wenn du mit drei Gängen zu Mittag gegessen und dich zum zweitenmal berauscht hast, legst du dich zum Mittagsschlaf ins Bett, oder wie man es in Upsala nannte: wälzt Mittag; dann spielst du Brett bis zum Vesper, sitzt bei Grog und Wiraspiel bis zum Abendbrot, das jeden Abend aus kalten Platten mit einem warmen Gang besteht. Bist du einen Abend nüchtern ins Bett gegangen? Bist du mit deinen drei Räuschen täglich in fünfundzwanzig Jahren je nüchtern gewesen? Sprichst du je dein Abendgebet? Nein, du bist kein Mensch, sondern du bist ein Schwein! Das bist du!«

Er hatte freilich das, was er beabsichtigt hatte, nicht erreicht, aber er hatte etwas anderes getan; und er wünschte nur, die andern hätten ihn gehört, dann würden sie ihn nicht konservativ genannt haben.


Sechstes Kapitel
Eine unklare Situation

Das französische Geschwader kam und sprengte für einen Augenblick die privaten und einige allgemeine Koalitionen. Der schwedische Leichtsinn zeigte sich von seiner liebenswürdigen Seite, vergessen zu können. Trotz der neu aufgenommenen deutschen Politik sah man Mitglieder der Regierung den Festen beiwohnen und Reden auf Frankreich halten.

Gustav Borg hatte einen großen Tag, als das Tivolifest veranstaltet wurde, denn er war einer der Gastgeber; und da er außerdem perfekt französisch konnte und ein ausgezeichneter Redner war, machte er sich ganz vortrefflich.

Frankreich war nach dem Kriege 1870 etwas spröde gegen Schweden gewesen, da dieser uralte Bundesgenosse der Republik und dem besiegten Freunde den Rücken kehrte; aber jetzt war alles vergessen. Der französische Botschafter in Stockholm, eine starke Intelligenz, Republikaner und, wie behauptet wurde, vordem Communard, fraternisierte mit den liberalen Salons Stockholms, verkehrte in Bürgerhäusern und trat mit Vorträgen in Klubs auf, die nicht gerade comme il faut waren. Oben mußte man ihm das zugute halten, denn er war Botschafter der großen Nation, so daß seine Person unverletzlich blieb. Seine Wohnung und das norwegische Gesandtschaftshotel waren das Zentrum für alles, was an Politik, Wissenschaft, Kunst und Literatur zur Fortschrittspartei gehörte; halb aus Neugier, halb gezwungen kamen jedoch auch viele von den Oberen dahin, die nur durch Geburt und Amt dort oben gebunden waren. Diese versuchten wohl die Roten auszustechen und in Mißkredit zu bringen, merkten aber bald, daß jene überall Gesinnungsgenossen hatten. So passierte einem schwedischen Gesandten bei seinem norwegischen Kollegen das folgende Quiproquo:

Der Gesandte (zu dem französischen Botschafter): »Was hat denn der gute Blehr da für einen Lumpen in seinen Salon eingelassen?«