Über Geld zu sprechen ist ja unangenehm, denn das letzte, was der Mensch aus den Händen gibt, ist das Gold, aus dem einfachen Grunde, weil dieses Metall die Existenzbedingungen, Wohnung, Essen, Kleidung und Wärme ausmacht.
Nachdem er im Verlauf von zwei Stunden alles ausgekramt hatte, was, wie er wußte, den Alten angenehm war, rückte er schließlich mit seinem Anliegen heraus. Da zog eine Wolke durch das helle Zimmer mit den weißen Gardinen; der Friede des Alters war gestört, und die Greise quälte es, einen in Not Befindlichen ohne Hilfe lassen zu müssen. Sie konnten kein Geld entbehren, und es war ihnen peinlich, das einzugestehen, genötigt zu sein, ihre ökonomische Lage darzulegen. Anders seinerseits litt darunter, diese Verstimmung hervorgerufen zu haben; es war ein Elend, Geld leihen zu müssen, und er begriff jetzt, warum so viele Betrug und sogar Diebstahl vorzogen.
Als er sich nun wieder in den Schlitten setzte, wollte er eigentlich nach Hause fahren, aber der Gedanke an Frau und Kinder rüttelte ihn auf, und mit einem Knall der Peitsche setzte er das Pferd in Bewegung, auf den großen Fjord zu. Der Waldhüter hinten auf dem Hundesitz äußerte einige Besorgnisse, aber der Herr wollte nicht darauf hören. Das Eis war dünn, aber zäh, durchsichtig wie Glas, so daß man an seichten Stellen die Tangwälder sah.
Auf dem Fjord wogte das Eis, aber das Pferd beschleunigte den Lauf, in dem Instinkt, daß es im Notfall von der geöffneten Wake wegspringen konnte, und der Gutsherr wußte aus Erfahrung, daß das Salzwassereis zäher war, als es aussah, und nicht so gefährlich, wie es schien. Den Kurs nahm er nach Osten nach einer flachen Insel in der Ferne, wo der Diakonus wohnte. Dieser, der eine kleine Kirchenkasse zu verwalten hatte, würde ihm wohl zehn Kronen leihen können; so tief hatte er jetzt seine Ansprüche herabgeschraubt.
Nur Luft und Wasser und der schwarzgrüne Strich in der Ferne waren zu sehen, als das Pferd plötzlich stehen blieb.
Der Waldhüter war sofort neben seinem Kopf, warf die Eishacke wie eine Lanze, und siehe da, das Wasser stieg aus dem Loch.
»Das geht nicht, Herr,« sagte Viktor. »Geht der Wind einen Strich weiter nach Osten, so bricht das Eis und wir sind kaputt!«
»Ich kehre nicht um,« antwortete der Patron; »sitz auf, so sollst du sehen, was fahren ist!«
Die Peitsche sauste um die Lenden des Pferdes, und es ging in gestrecktem Trab ums liebe Leben. Eissplitter und Wasserspritzer stiebten um die Gesichter.
Es handelte sich nur um zehn Kronen, aber es handelte sich auch darum, ein Ziel zu erreichen und vor allem eine Pflicht zu erfüllen, und er hatte das Gefühl, sein Leben den Seinen zum Opfer zu bringen und die Schande hinter sich zu lassen.