»Ja, ich als Arzt und (hier stockte Esther vor dem Wort, sprach es aber aus) – und Frau höre ja nicht …«
»Ich auch nicht,« antwortete der Graf.
Nun lachte Esther:
»Das hängt vielleicht davon ab, mit wem sie sprechen.«
Der Graf errötete wie ein Mann, dem von einer Frau eine Schmeichelei gesagt wird, und um seine Verlegenheit zu verbergen, fuhr er mit großem Eifer fort:
»Aber das Charakteristischste an diesen Mädchen ist ihre Freude am Lachen; es soll lustig sein, alles soll lustig sein, nicht, wie wir früher glaubten, weil sie vergessen oder das Gewissen betäuben wollen; man nennt sie ja Freudenmädchen, und das ist das rechte Wort. Was ist dies eigentlich für eine natürliche Auslese von Menschen? Was sagt Ihre Wissenschaft über die Sache?«
»Sie kann nichts sagen, denn sie weiß nichts. Möglich ist, daß sie nahe Nachkommen von Wilden sind, da sie ein anderes Gewissen haben als – wir, denn es ist fast unmöglich, ihr Schamgefühl zu wecken; sie wollen nichts davon hören, verstehen es nicht, schlagen es in den Wind, und die größte Furcht haben sie vor ernsten Männern.«
»Ja, das weiß ich,« antwortete der Graf; »mich hassen sie, weil ich so langweilig bin, und ich habe doch nie versucht, vernünftig mit ihnen zu reden; aber ich kann nicht lachen …«
»Nicht? Es ist doch so gesund!«
»Wenn ich einmal etwas zu lächeln habe, werde ich lächeln, das ist menschlich; aber lachen ist immer boshaft und wird vom Barocken, Verzerrten, vom Bösen hervorgerufen; deshalb löst es sich gewöhnlich in tränende Augen auf und hat oft ein Gefühl der Leere zur Folge, das in wirklichem Weinen, Weinen ohne Ursache endet.«