»Ebenso,« antwortete der Graf, sei es, um einen Sterbenden zu trösten, sei es, weil er sich der Tat fähig glaubte.
»Dieb!« wiederholte Axel E.
»Nun, hast du es dir später zum Vorwurf gemacht?« fragte Esther.
»Nein,« antwortete der Dichter, »könnt ihr euch das vorstellen? Ich habe mir keine Vorwürfe gemacht; aber ich bin wütend gewesen, weil ich mich in eine so schmutzige Situation hatte hineinziehen lassen. Ich handelte in gutem Glauben, in Begeisterung, und in … aber auf wen ich böse sein soll, weiß ich nicht. Zufall, Schicksal, Umstände sind für mich Personen, die ich nicht definieren kann, die ich aber als lebende Wesen anerkenne.«
»Warum hast du den Professor rufen lassen?« schnitt jetzt Esther ab, die mehr für Wirklichkeiten war.
»Den Professor? Ach so, das hatte ich vergessen! Ja, ich war allein und wollte mit ihm streiten.«
»Willst du nicht lieber Morphium haben und schlafen?«
»Morphium wirkt nicht bei mir; nein, ich will wach sein und reden; ich will meine Stimme hören, so lange sie zu hören ist!«
Jetzt zeigte sich in der Tür des Zeltes ein weißer Greisenkopf, der nicht vom gewöhnlichen Schlage war. Es war kein Pauluskopf, auch kein Petrus, aber etwas von beiden. En face leuchtete Wohlwollen, Ergebung in das Schicksal, christliche Demut daraus; im Profil aber zeigte sich ein Druide, ein Odinspriester, der nach dem Flintmesser sucht, um den Gefangenen das Herz auszuschneiden. Man dachte an die Galgen von Upsala, an die Äste des Odinshaines, wo die Geschlachteten als Opfer für den unversöhnlichen Versöhner aufgehängt wurden.
Axel E. aber, der die kolossale Silhouette des Alten sah, die der Laternenschein auf die Zeltleinwand warf, fand in dieser Zeichnung einen Wolkengreis, wie man ihn nach dem Gewitter sieht, etwas von Zeus oder Moses, und er wurde unwillkürlich eingeschüchtert, wie alle, die in die Nähe dieses Beichtvaters der Jugend kamen.