Der Arzt schien sich verbessern zu wollen, aber es war zu spät:

»Ich sage war, weil er nicht mehr ist. Das habe ich schon eine ganze Weile gewußt.«

»Ist er tot?«

»Ja!«

Es wurde still, und die drei Gesichter wurden weiß. Keiner wollte angesichts des großen Rätsels etwas Banales sagen. Aber sie standen auf und gingen ins Zelt, um Abschied zu nehmen.

Der Morgen dämmerte und die Laterne war erloschen.

Die Zeltleinwand war von außen schwach rosenfarben, und der Tote lag mit nach hinten geworfenem Kopf da, den Mund wie in Ekstase geöffnet und die Augen nach oben gerichtet; das ganze Gesicht strahlte in Verzückung, als habe er etwas übermäßig Schönes gesehen, vielleicht das Land seiner Träume.


Nach einem langen Winter in Upsala wurde es wieder Frühling, und Esther kam zu den Eltern nach Hause. Storö hatte sich zum Badeort entwickelt und ein Kurhaus bekommen; dahin kamen mancherlei Leute, Segler, Sommergäste. Und Esther mußte als Dame gekleidet gehen, was ihr höchst kurios vorkam; besonders erschien ihr das Weiß, als ginge sie in ihren Bettüchern umher; es erinnere an Laken und Kopfkissenbezug, meinte sie. Alles saß ihr schlecht, machte sich nicht, und da sie das wußte, hielt sie sich fern. Doch Frau Brita zwang sie, ins Kurhaus zu gehen, denn sie dürfe nicht vergessen, daß sie Frau sei. Diese Stunden, wenn getanzt wurde, waren ihre bittersten. Dann mußte sie an der Wand sitzen und stundenlang warten, aufgefordert zu werden; aber es kam kein Herr; und erschien wirklich einer, so sah sie das Mitleid mit dem häßlichen Mädchen, und das kränkte sie im Innersten. Dann blieb sie weg und ging in den Wald, fuhr auf die See hinaus, wurde aber bei der nächsten Gelegenheit wieder in den Tanzsaal geschickt. Diese Zurschaustellung ihrer Weiblichkeit, dieser Wettbewerb in einem ungleichen, unwürdigen Kampf zerriß sie, und sie verwünschte das grausame Vergnügen, bei dem die von der Natur Vernachlässigten öffentlich gezeichnet wurden.