Es war an einem solchen Tanzabend im Vorsommer. Die Eltern gehörten zur Direktion, und Esther war aus Rücksicht auf sie und auch in dem Gedanken an den wohltätigen Zweck mitgegangen. Aber sie war nicht in den Saal getreten, sondern hatte auf der Veranda Platz genommen, wo sie die Paare vorübergleiten sah, vorüber. Die schlimmste Qual für sie war, den Ausdruck von Enttäuschung und Kummer in ihrem Gesicht zu verbergen, und diese gewaltsame Beherrschung verlieh ihren Mienen Wildheit und Trotz.

Wie sie da saß, kam ein Mediziner aus Upsala, etwas angeheitert, von einer Segeljacht.

»Ach, Pelle,« entfuhr es ihm. »Ist Saul auch unter den Propheten? Du gehst doch wohl nicht auf solche Ausstellungen von Reproduktionstieren?«

Esther blieb die Antwort schuldig, und der Kamerad ging in den Saal, ohne sie aufzufordern. Daß er gar nicht fragte, ob sie tanzen wolle, kränkte sie besonders, trotz der Schmeichelei in den zweideutigen Worten des Mannes, nach denen er sie für diesen Aufzug zu gut fand.

Nach einer Weile erschien der junge Graf aus Upsala mit der Ballkönigin, der Schönheit des Ortes, die an seinem Arm hing und seine Blicke trank. Esther sah sie den Saal betreten, tanzen und darauf sich unterhalten. Alle Badegäste verfolgten die beiden mit bedeutungsvollen Blicken, und eine ältere Dame, die aus dem Saal kam, äußerte:

»Die wird Gräfin werden! Viel Glück! ein Graf, dessen Vater Kassierer und der selber Sozialist ist, das ist eine feine Partie.«

»Aber er sieht gut aus!« antwortete die andere Dame.

Esther hatte hingehört; und als sie nun diesen neuen Ausdruck im Gesicht des Grafen sah, der den der jungen Schönheit widerstrahlte, da wurde es düster in ihr, und sie begriff, warum sein Gesicht in ihrer Gegenwart nie diesen Glanz bekommen hatte.

Sie ging direkt nach Hause und setzte sich in ihr Zimmer. Es war Nacht, aber hell, und vereinzelte Töne der Kurhausmusik drangen bis zu ihr. Da fiel ihr das Chopinsche Nocturno ein, das er ihr in der seltsamen Gesellschaft dort in Upsala vorgespielt hatte. Mit ihrem kalten nüchternen Temperament hatte sie geglaubt über so kindliche Gefühle wie Erotik erhaben zu sein; doch jetzt war sie gefangen, da war kein Zweifel. Und da saß sie und weinte, vor Schmerz, verschmäht zu sein.

Da sie nicht einschlafen konnte, ging sie hinaus; kam an den Strand hinunter und nahm sich ein Boot; setzte sich an die Riemen und steuerte über den Fjord auf eine kleine Schäre zu, die ihr Ziel zu sein pflegte.