– Wenn er in schlechte Gesellschaft geraten ist, hat es keinen Zweck, auf ihn zu warten, meinte der Pastor. Es ist jedenfalls unrecht von ihm, sich nicht zu Hause zu halten, wo er so gute Vorbilder und so treue Freunde hat. Aber was sagt die Braut? Sollen wir anfangen oder sollen wir warten?
Die Braut ward gehört. Ob sie gleich recht traurig war, wollte sie doch, daß man anfange, weil sonst der Kaffee kalt werde.
So begann man aufzubrechen, während hinten auf den Bergfelsen der Dynamit donnerte. Der Spielmann harzte und schraubte, der Pastor zog den Talar an, die Brautdiener gingen voran. Der Pastor führte die Braut. Die war in schwarze Seide gekleidet, trug den weißen Schleier mit dem Myrtenkranz und war sehr geschnürt; was verborgen werden sollte, wurde um so sichtbarer.
So zog man in den Saal des Professors hinauf, während die Geige knirschte und die Schüsse knallten.
Die Braut warf noch im letzten Augenblick unruhige Blicke um sich, um nach dem verlorenen Sohn zu spähen; als sie zur Tür hinein sollte, mußte der Pastor sie schleppen, während sie die Augen hinten hatte.
Sobald sie in den Saal kamen, stellten sich die Gäste rings an den Wänden auf, als bildeten sie die Wache für eine Hinrichtung. Das Brautpaar nahm vor zwei umgekehrten Stühlen Platz, die mit einem brüsseler Teppich bedeckt waren.
Der Pastor hatte das Buch genommen, befühlte seinen Kragen und wollte sich gerade räuspern, als die Braut ihre Hand auf seinen Arm legte.
– Nur noch einen Augenblick, dann kommt Gustav wohl!
Es wurde fast ganz still im Zimmer; man hörte nur das Knarren von Stiefeln und das Knittern gestärkter Hemden; nach einigen Augenblicken hörte das auf, man sah einander an, wurde verlegen, hustete; dann ward es wieder still. Schließlich sagte der Pastor, an dem aller Blicke hingen:
– Jetzt beginnen wir; länger können wir nicht warten! Ist er noch nicht gekommen, so kommt er auch nicht.