Jetzt, als er nachließ, müde war, sich mit dem Bau seiner eigenen Stuga beschäftigte, klagte man.

– Macht es doch selber, antwortete Carlsson, dann werdet ihr mal sehen, wie gut es tut. Jeder für sich und Gott für uns alle!

Bald hatte er seine eigene Stuga unter Dach, begann einen Garten anzulegen, Büsche zu pflanzen, Wege zu machen. Er hatte seine Stuga mit solchem Geschmack gebaut, daß sie die anderen in Schatten stellte. Sie besaß zwar nur zwei Zimmer und Küche, sah aber doch stattlicher aus als die alten Häuser; woran es lag, konnte man nicht sagen. Ob daran, daß er den Dachstuhl hoch geführt und die Dachtraufe weit über die Wand hatte vorspringen lassen; oder ob es die »Krucifixe« waren, die er in die Deckbretter gesägt hatte; oder die Veranda, die er mit einigen Treppenstufen vor die Tür gesetzt. Es waren keine Kostbarkeiten, aber es sah doch etwas villenartig aus. Rot war die Stuga wie eine Kuh, aber die Ecken waren schwarz und getäfelt; die Fensterbretter waren weiß gestrichen und die Veranda, ein leichtes Dach auf vier Pfosten, war blau gemalt.

Auch hatte er Verstand genug gehabt, seinen Platz zu wählen; unmittelbar unter dem Fuß des Berges, und zwar so, daß zwei alte Eichen mitten davor zu stehen kamen, ungefähr wie der Anfang einer geplanten Allee oder eines Parks. Wenn man auf der Veranda saß, hatte man die schönste Aussicht: die Bucht mit den Schilfbänken, die lange grüne Quellwiese; durch eine Mulde im Kälberhag konnte man die Boote hinten im Sunde sehen.

Gustav sah alles scheel an, wünschte die Stuga fort, hielt Carlsson für eine Wespe, die ihr Nest unter dem Dachstuhl

baute; die hätte er gern verscheucht, ehe sie Eier legen und sich vielleicht mit ihrer Brut festsetzen konnte. Er hatte aber nicht die Kraft, sie fortzubringen; darum blieb sie sitzen.

Die Alte war kränklich und ließ alles gehen, wie es ging. Im Vorgefühl des Wirrsals, das entstehen würde, wenn sie aus dem Leben schied, sah sie es nicht ungern, daß ihr Mann, denn das war er jedenfalls, ein Dach über dem Kopf hatte und nicht als armer Teufel herumlief. Sie verstand sich nicht auf Rechtssachen, hatte aber eine Ahnung davon, daß es bei Vermögensaufnahme, Erbteilung, Testament nicht mit rechten Dingen zugegangen; doch das war die Sache der Andern, wenn sie nur damit nichts zu tun hatte. Ein Mal mußte es aber losbrechen, wenn nicht früher, dann an dem Tage, an dem Gustav heiratete; und solche Gedanken mußte ihm jemand in den Kopf gesetzt haben, denn er war sich nicht mehr gleich, sondern ging nachdenklich umher.


Eines Nachmittags Ende Mai stand Carlsson in seiner neuen Küche und mauerte am Herd, als Clara kam und ihn rief:

– Carlsson, Carlsson, der Professor ist mit einem deutschen Herrn gekommen, der Carlsson sprechen will!