Gegenstand eines ganz besonderen Sports, der Badfischen heißt, ist der Kühling. Wenn das Wasser im Nachsommer in den Buchten erwärmt ist, kommt nämlich der Kühling in die Höhe, um zu baden, wie man es nennt. Zu dieser Zeit wird auf den Landzungen von Baumwipfeln Ausguck gehalten; wenn der Beobachter merkt, daß das Wasser sich belebt, gibt er den Kameraden ein Zeichen; die kommen nun mit ihren flachen Kähnen von beiden Landzungen, die Ruderschäfte mit wollenen Strümpfen gut umwunden, damit der Fisch nicht verscheucht wird; dann spannt man das Netz über die Mündung der Bucht, mit der Wirkung, die es haben kann.
Die Bevölkerung dieser isolierten, gut versteckten kleinen Welt, die keine regelmäßigen Verkehrsverbindungen hat, scheint in mehr als einer Hinsicht sehr gemischt zu sein. Eine beständige Auslese hat sich nämlich immer von selbst vollzogen, dergestalt, daß der intelligenteste Teil der Jugend zur Flotte, zum Lotsenamt, zum Zoll gegangen ist. Die zurückbleibenden, seßhafteren, ruhigeren Geister haben das Gewerbe der Väter fortgesetzt oder sind nach Stockholm gegangen oder haben im Innern des Landes einen Dienst gesucht;
die Schären sind kein sicherer Ort gewesen, wo man Familien und Grundbesitz begründen konnte, da das Land dem Feinde offen liegt und Besitzrecht wie Leben nicht gerade den Schutz des entfernt wohnenden Rechtspflegers genießen. Es fehlt darum jede Spur von Lokalpatriotismus, wenn auch der Einwanderer die gewöhnlichen Schwierigkeiten zu bekämpfen hat.
Nach Ortsnamen, Typen, Gewohnheiten zu urteilen, scheint dieses Inselmeer eine Art Zufluchtsort für allerlei Leute aus dem Innern des Landes gewesen zu sein, die aus der einen oder der andern Ursache die Einsamkeit aufsuchten. Eine eigentliche Mundart ist nicht zu spüren, aber eine Mischung von vielen, und viele einfache Sitten und Rechtsbegriffe aus dem Naturstadium deuten darauf, daß sich hier draußen, weit entfernt von der Gesellschaft, ungesellige, für geordnetes Zusammenleben schwer zugängliche Freiluftliebhaber oder ganz einfach praktische Gegner des geordneten Kriegsdienstes und Zollwesens zusammengefunden haben. Die Geschichten, wie gewisse Inseln erworben wurden, scheinen sich auch um Kapern, merkwürdige Seetaten, auch Privatdienste für königliche Personen zu drehen; und die Grundbücher sollen an gewissen Stellen nicht recht sicher sein, ob der Boden der Krone gehört oder zinspflichtig ist.
Andere Zeichen finden sich auch, die auf Einwanderungen oder vielleicht nur Landungen von Finnen, Esthen, Russen und dergleichen Morgenländer deuten. Besonders hegt man noch heute einen entschiedenen Widerwillen gegen die Esthen, diese Schattenfiguren, die, an sich grau, in grauen Fahrzeugen, die wie aus alten zerfallenen Planken zusammengeschlagen sind und ein Takelwerk aus geflickten Kohlensäcken haben, ausgespukt kommen. Wenn ein solcher fliegender Holländer aus einer Kobbe an Land geht, rudert der Fischer
gern hinaus und sieht nach, ob das Feuer auch gut gelöscht ist; und er appelliert lieber an die Branntweinflasche als an die Flinte solchen Vagabunden des Meeres gegenüber, von denen man, mit oder ohne Grund, annimmt, daß sie Salz nach Rußland schmuggeln.
Vermögende Schärenleute gibt es, aber viele sind der Armut nahe, und einige äußerst arm, des Winters von Salzlake, Heringsköpfen und Kartoffeln lebend. Das Gewerbe des Fischers, das dem des Spielers gleicht, erzieht nicht zur Sparsamkeit. Ein Fang macht ihn heute vermögend, und der Glaube ans Glück entsteht sofort mit seinen gefährlichen Folgen.
Vom Pfleger der Gerechtigkeit weit entfernt, hat der Schärenmann in der Notwehr sein eigenes Lynchgesetz, und aus wirtschaftlichen Gründen spricht er lieber frei, als daß er verurteilt; auch in der Hoffnung, selbst freigesprochen zu werden, wenn sein Unglück kommt. Diese Nachsicht mit den Verbrechen anderer habe ich nie schöner ausdrücken hören als damals, wie die Nachbarn erzählten, ein Mörder habe einst, als er seine Frau ertränkte, einen »Fehltritt« begangen.
Der Schärenmann ist ein Einsiedler; hat weit zum Gericht, weit zur Kirche, weit zur Schule; weit zu den Nachbarn und weit zur Stadt. Der Badeort ist sein nächster Kulturmittelpunkt; dort aber lernt er nur den Luxus kennen und beneidet Menschen, die er drei Monate Feste feiern sieht; denn die arbeitenden Mitglieder, die in der Stadt sind, sieht er nicht. In der Einsamkeit würde er Denker werden, wenn er Anleitung hätte; statt dessen wird er Phantast, und wie geschickt er in seinem Gewerbe sein kann, wie klarsehend im Alltagsleben, wird er leicht ein Raub subjektiver Wahrnehmungen, wird »fernsichtig«, ein Sonderling, wie der Küster auf Ronö; macht fehlerhafte Schlußfolgerungen, sehr