– Lieber Pastor, flüsterte die Alte, während der Wind im Schornstein lärmte, da ist das Buch.
– Gut, gut, antwortete der Pastor wie im Schlaf; streckte den Arm aus, ohne den Kopf zu heben, tappte nach der Kaffeetasse und fuhr mit dem Finger so gegen den Henkel, daß er die Tasse umstieß; in zwei Bächen floß der Branntwein über den fettigen Tisch.
– Oh oh, klagte die Alte und rettete das Buch; das geht nicht! Sie sind schläfrig, Herr Pastor, und müssen sich niederlegen.
Aber der Pastor schnarchte schon; er ruhte mit dem Arm auf der Tischplatte und hatte den langen Finger zu einer albernen Gebärde ausgestreckt, als zeige er nach einem unsichtbaren Ziel, das augenblicklich unerreichbar war.
– Wie sollen wir’s nur anfangen, ihn ins Bett zu bringen? klagte die Alte den Mädchen.
Sie wußte, in welch furchtbare Laune er geraten konnte, wenn er aus dem Rausch geweckt wurde. Ihn in der Küche zu lassen, ging nicht der Mädchen wegen; auch in die Stube durfte er nicht; dann hätte man darüber geklatscht.
Die drei Frauen gingen um den Schlafenden herum, wie Ratten die Katze umkreisen, um ihr Schellen anzuhängen, ohne es jedoch zu wagen.
Inzwischen war das Feuer im Herd erloschen und der
Wind drang durch Fenster und undichte Wände. Der Alte, der ja in bloßen Strümpfen dasaß, mußte kalt geworden sein, denn eins, zwei, drei erhob sich der Kopf, der Mund öffnete sich gähnend, und drei Aufschreie, die klangen, wie wenn der Fuchs seinen Geist aufgibt, ließen die Frauen zusammenfahren.
– Ich glaube, ich habe geniest, sagte der Pastor, erhob sich und ging mit geschlossenen Augen zu einem Fenstersofa; dort sank er nieder, streckte sich auf den Rücken aus, faltete die Hände über der Brust und schlummerte mit einem langen Seufzer ein.