– Ihr grinst, Mädchen? Als ob ihr das nicht kenntet!

– Wollen Sie nicht noch eine Halbe trinken, Herr Pastor? unterbrach ihn die Alte, die ängstlich wurde über die Wendung, die das Gespräch ins Liebesgebiet nahm.

– Bitte, Frau; seid so freundlich! Danke! Aber ich muß auch ins Bett, und Ihr habt wohl noch nicht für mich aufgebettet.

Lotte wurde auf die Kammer geschickt, um das Bett zu machen, nachdem man beschlossen, daß Carlsson und Robert in der Küche schlafen sollten.

Der Pastor gähnte und rieb den einen Fuß gegen den andern, fuhr mit der Hand über die Stirn bis zur nackten Glatze hinauf, als wolle er namenlosen Kummer fortstreichen; dabei sank der Kopf in kurzen Rucken gegen die Tischplatte, wo schließlich das Kinn seine Stütze fand.

Die Alte, die sah, wie es stand, trat näher und legte ihm die Hand behutsam auf die Schulter, klopfte sacht und bat mit rührender Stimme:

– Lieber Herr Pastor! Können wir nicht ein gutes Wort heute Abend hören, ehe wir zu Bett gehen? Denken Sie an die Alte und ihren Jungen, der auf See ist.

– Ein gutes Wort? Ja! Gebt mir das Buch; Ihr wißt ja, wo es steckt.

Die Alte nahm den ledernen Proviantsack und holte ein schwarzes Buch mit goldenem Kreuz heraus. Wie ein Reisekästchen,

aus dem alten Frauen und Kranken stärkende Tropfen geboten werden, pflegte man dieses Buch vorzunehmen. Andächtig, als habe sie ein Stück von der Kirche in ihre niedrige Hütte gebracht, trug sie das geheimnisvolle Buch, behutsam wie ein warmes Brot, auf ihren beiden Händen; schob vorsichtig die Tasse des Pastors bei Seite, wischte den Tisch mit ihrer Schürze ab und legte das heilige Buch vor den schweren Kopf.