Julie. Und stolz —
Jean. Warum nicht? Obschon ich bekennen muß, daß der Sieg mir zu leicht war, um eigentlich einen Rausch geben zu können.
Julie. Schlagen Sie mich nur noch mehr!
Jean steht auf. Nein, verzeihen Sie mir lieber das, was ich schon gesagt habe! Ich schlage keinen Wehrlosen und am wenigsten ein Frauenzimmer. Ich kann nicht leugnen, daß es mich einerseits freut, gesehen zu haben, daß es nur Katzengold war, was uns dort unten blendete; gesehen zu haben, daß der Rücken des Habichts auch nur grau ist, daß auf der zarten Wange Puder war, und daß die geschliffenen Nägel schwarze Ränder haben können, daß das Taschentuch schmutzig war, wenn es auch nach Parfüm duftete —! Aber es peinigt mich andererseits, gesehen zu haben, daß das, wonach ich strebte, nichts Höheres, Solideres war; es peinigt mich, Sie so tief gesunken zu sehen, daß Sie weit unter Ihrer Köchin stehen: es peinigt mich zu sehen, wie die Herbstblumen von dem Regen zerschlagen und in Schmutz verwandelt werden.
Julie. Sie reden, als wenn Sie bereits über mir ständen.
Jean. Das thue ich auch: Sehen Sie, ich könnte Sie in eine Gräfin verwandeln, aber Sie können mich niemals zum Grafen machen.
Julie. Aber ich bin von einem Grafen gezeugt, und das können Sie niemals werden.
Jean. Das ist wahr: aber ich könnte selbst Grafen erzeugen, wenn —
Julie. Aber Sie sind ein Dieb, und das bin ich nicht.
Jean. Dieb ist nicht das Schlimmste! Es giebt schlimmere Dinge. Und übrigens: wenn ich in einem Hause diene, betrachte ich mich gewissermaßen als Mitglied der Familie, als Kind des Hauses, und man sieht es nicht für Diebstahl an, wenn das Kind eine Beere von einem vollen Strauch pflückt. Seine Leidenschaft erwacht wieder von neuem. Fräulein Julie, Sie sind ein herrliches Weib, allzu gut für einen Menschen wie mich! Sie sind die Beute eines Rausches gewesen, und Sie wollen den Fehler dadurch verdecken, daß Sie sich einbilden, Sie lieben mich! Das thun Sie aber nicht, es sei denn, daß Sie vielleicht nur mein Äußeres verlockt — und dann ist Ihre Liebe nicht besser, als die meinige; aber ich kann mich niemals damit begnügen, für Sie ein bloßes Tier zu sein, und Ihre Liebe kann ich nicht erringen.