Die Frau blickt auf das dichte, noch glänzende Haar des dreissigjährigen Mannes, auf seine glatte Stirn und seine feurigen Augen. Und sie sagt freudestrahlend:

– Ja, du siehst aus wie ein Fünfundzwanzigjähriger!

– Und du? Du siehst aus wie ein junges Mädchen. Dass wir uns von dem alten Bellini so haben anführen lassen. Ich dachte gleich, dass etwas nicht stimme.

– Nein, lieber Freund, das habe ich zuerst gedacht.

– Wahrscheinlich, weil du jünger bist als ich.

– Nein, du ...

Und Mann und Frau sitzen da und streiten scherzend darüber, wer von ihnen älter sei, ganz wie ein Paar Kinder, und sie wundern sich, wie sie früher Runzeln und graue Haare haben entdecken können, wo keine da sind.

Herbst

Sie waren zehn Jahre verheiratet gewesen! Glücklich? So glücklich, wie die Umstände es erlaubten. Sie hatten am gleichen Strang gezogen, gleichmässig wie zwei gleichstarke junge Ochsen, von denen jeder an einer Seite des Strickes zieht.

Im ersten Jahr wurden natürlich eine Menge Illusionen von der Ehe als der absoluten Seligkeit begraben. Im zweiten Jahr kamen die Kinder, und die tägliche Arbeit des Lebens liess wenig Zeit zum Grübeln übrig.