Sie kamen an einem heimkehrenden Leichenzug vorbei.

– Hast du gesehen, sagte Gustav, was für ein verflucht hübsches Mädchen im letzten Wagen sass.

Nein, Theodor hatte es nicht gesehen und wollte es nicht sehen.

Und dann begegneten sie einem Omnibus, in dem lauter Kellnerinnen sassen. Da stand der Leutnant in der Droschke auf und warf ihnen Kusshände zu, mitten auf der Strasse. Er war zu verrückt.

Sie richteten ihre Sache in Bellevue aus. Auf dem Heimweg bog der Kutscher ohne weitere Ordre nach der Gastwirtschaft „Stallmeisterhof“ ab.

– Wir wollen etwas essen, sagte Gustav und stiess den Bruder aus der Droschke.

Theodor war wie betört. Ein Gelübde der Nüchternheit hatte er nie abgelegt und er sah nichts Sündhaftes darin, in ein Wirtshaus zu gehen, wenn er es auch nicht von selber tat. Er folgte, allerdings mit dem Atem im Halse.

Im Flur wurde der Leutnant von zwei Mädchen empfangen, die im nächsten Augenblick an seiner Brust lagen.

– Guten Tag, meine Tauben, begrüsste er sie und küsste beide auf den Mund. Hier habt ihr meinen gelehrten Bruder, er ist noch jungfräulich; das bin ich aber nicht mehr, was, Jossa?

Die Mädchen sahen schüchtern Theodor an, der nicht wusste, wohin er sich wenden solle, so beispiellos frech, beinahe naiv kam ihm die Sprache des Bruders vor.