Was aber schlimmer war, eine gewisse Kälte gegen die geliebte Frau stieg in ihm auf; woher sie kam, wusste er nicht. Er hatte Furcht, sich ihr zu nähern, und zu gleicher Zeit fühlte er ein Verlangen nach ihr; er liebte sie, liebte sie noch immer, aber dieses Gefühl war mit einer gewissen Bitterkeit gemischt.
– Du magerst ab, sagte ein Kamerad.
– Ja, ich glaube wirklich, ich bin mager geworden, erwiderte der arme Ehemann.
– Du spielst ein falsches Spiel, alter Junge!
– Ich begreife nicht!
– Ein verheirateter Mann mit Halbtrauer! Nimm dich in Acht, mein Freund!
– Ich verstehe wahrhaftig nicht ein Wort von dem, was du sagst.
– Gegen den Wind fahren, geht auf die Dauer nicht. Nein, brasse nur voll, du, und du wirst sehen, dass alles wieder gut wird. Glaub mir, ich kenne das. Die Anspielung verstehst du doch!
Er liess die guten Ratschläge vorläufig liegen, wohl wissend, dass sich die Einkünfte nicht im Verhältnis zu den Kindern vermehren, aber überzeugt, dass er jetzt die Wurzel zu seiner Krankheit gefunden hatte.
Der Sommer war gekommen. Die Familie war aufs Land gezogen. An einem schönen Abend waren die Gatten allein spazieren gegangen, an dem steilen Seeufer entlang, das von eben grün gewordenen Erlen beschattet wurde. Sie setzten sich ins Gras, still und niedergeschlagen. Er war finster und mutlos; düstere Gedanken arbeiteten in seinem schmerzenden Gehirn. Das Leben kam ihm wie ein Abgrund vor, der sich öffnete, um sie alle zu verschlingen, alle, die er so liebte.