Die Frau arbeitet mit der Nadel im selben Zimmer, in dem die Kinder spielen; der Mann, der aus seiner Stellung verabschiedet ist, weil er keinen sauberen Anzug mehr besitzt, schreibt ab in einem Zimmer nebenan und brummt über den Lärm, den die Kinder machen. Man wirft einander harte Worte durch die Tür.

Es ist Pfingsten. Der Mann liegt am Nachmittag auf dem zerlumpten Ledersofa und betrachtet durch die Scheibe ein Fenster auf der andern Seite der Gasse. Er sieht dort ein Mädchen, das in schlechtem Ruf steht, wie sie sich für die Abendpromenade schmückt. Neben ihrem Spiegel liegen ein Fliederzweig und zwei Apfelsinen. Ohne sich an neugierige Blicke zu kehren, schnürt sie ihr Mieder über ihren festen Busen zu.

– Das ist kein schlechtes Leben, sagt der zu Zölibat Verurteilte sich, indem er plötzlich auflodert. Man lebt nur einmal hier auf der Welt, und leben muss man, wie es auch gehen mag.

Da kommt seine Frau ins Zimmer und erblickt den Gegenstand seiner Beobachtungen. Es flammt in ihrem Auge auf; der letzte Funke einer ausgebrannten Liebe glimmt unter der Asche und nimmt die Form einer vorübergehenden Eifersucht an.

– Wollen wir nicht die Kinder nehmen und in den Tiergarten gehen? fragt sie.

– Um unser Elend auszustellen? Nein, danke!

– Aber hier drinnen ist heiss. Ich werde die Rollgardinen herunterlassen.

– Dann öffne lieber ein Fenster!

Er errät die Gedanken seiner Frau und steht auf, um es selber zu tun. Dort draussen am Rand des Bürgersteigs sitzen seine vier Kleinen, dicht neben Ablaufröhren. Sie haben die Füsse in dem trocknen Rinnstein und spielen mit Apfelsinenschalen, die sie aus dem Strassenkehricht hervorgesucht haben. Er fühlt einen Stich im Herzen und das Schluchzen kommt ihm in den Hals. Aber die Armut hat ihn so abgestumpft, dass er untätig stehen bleibt und die Arme kreuzt.

Plötzlich quellen zwei Schlammströme aus den Röhren hervor, überschwemmen den Rinnstein und begiessen die Füsse der Kinder, die aufschreien, von dem Gestank halb erstickt.