Frithiof sah keine andere Aussicht, für dieses Mal noch loszukommen, als dadurch, dass er um Bedenkzeit bat.
Inzwischen wurden die Damen auf einmal so gesund, dass sie keinen Arzt mehr nötig hatten. Der Doktor machte doch noch einen Besuch, wurde aber wie ein Einbrecher empfangen, der Schlösser und Riegel auskundschaften wollte. Er war ein scharfsichtiger Mann und sah sofort, wie es bestellt war. Frithiof machte einen Gegenbesuch, wurde aber als falscher Angeber aufgenommen. Damit war es aus mit dem Verkehr.
Frithiof wurde mündig.
Jetzt begann man Sturm zu laufen. Die Tanten krochen vor ihm und zeigten dem neuen Herrn ihre Unentbehrlichkeit, indem sie ihn wie ein unverständiges Kind behandelten. Die Schwestern zeigten sich mütterlicher als je, und Luise begann Toilette zu machen. Sie schnürte sich und brannte sich das Haar. Sie war durchaus kein hässliches Mädchen, aber sie hatte einen kalten Blick und eine scharfe Zunge.
Für Frithiof war sie gleichgültig, geschlechtslos; er hatte nie das Mädchen in ihr gesehen. Jetzt aber, nachdem die Mutter von ihr gesprochen, fühlte er sich verlegen in ihrer Nähe, besonders da sie zu kleben anfing. Er traf sie überall, auf der Treppe, im Garten, sogar im Stall. Eines Morgens, als er noch zu Bett lag, kam sie auf sein Zimmer, um Stecknadeln zu holen; sie trug einen Frisiermantel und spielte die Schüchterne.
Sie begann ihm widrig zu werden, aber doch beschäftigte sie seine Gedanken.
Inzwischen erneuerte die Mutter ihre Gespräche mit dem Sohn, und Tanten und Schwestern spielten unaufhörlich auf die erwartete Hochzeit an.
Das Leben wurde dem jungen Mann unerträglich. Er sah keinen Ausweg aus diesem Netz. Luise war wohl etwas anderes für ihn geworden als die Schwester und die Kameradin, aber sie war ihm darum nicht lieber geworden; doch indem er an die Möglichkeit einer ehelichen Verbindung dachte, war sie für ihn schliesslich zum Weib geworden, zwar zu einem unsympathischen, aber doch zu einem Weib. Die Heirat bedeutete immerhin eine Veränderung seiner Stellung und vielleicht eine Rettung aus der Knechtschaft. Er bekam im ganzen Kirchspiel kein anderes Mädchen zu sehen, und sie war vielleicht ebenso gut oder ebenso schlecht wie eine andere.
Schliesslich ging er zur Mutter und sagte ihr, unter welchen Bedingungen er sich mit Luise verheiraten wolle: eigener Haushalt im Flügelgebäude und eigener Tisch; auch solle die Mutter für ihn freien, denn das könne er nicht über sich gewinnen.
Der Kompromiss wurde angenommen, und man führte Luise herein, um Frithiofs Umarmung und schüchternen Kuss zu empfangen. Sie weinten alle beide; warum sie weinten, wussten sie nicht; aber sie schämten sich vor einander den ganzen Tag über bis zum Abend.