– Ist das nicht Freischütz?
– Nein, antwortete Theodor höflich, das ist Faust!
– Er sieht so ordentlich aus, dein Bruder, sagte die kleine schwarze, die Rieke hiess. Der ist anders als du, du alter Schlingel!
– Er will ja auch Geistlicher werden, flüsterte der Leutnant.
Das machte einen tiefen Eindruck auf die Mädchen, und sie küssten den Leutnant nur noch heimlich, und nach Theodor sahen sie so verlegen und so scheu wie Hühner nach einem Kettenhund.
Das Abendessen wurde aufgetragen. So viel Speisen! Es waren achtzehn Schüsseln, dazu die warmen Gerichte.
Gustav goss die Schnäpse ein.
– Prosit, alter Pfaffe, sagte er.
Theodor musste den Branntwein kosten. Der wärmte so gut, und es fiel ein dünner warmer Schleier über seine Augen, und die Esslust raste wie ein wildes Tier in seinen Eingeweiden. Der frische Lachs mit seinem halb angegangenen Geschmack und der Dill mit seinem betäubenden narkotischen; die Radieschen kratzten die Kehle und verlangten Bier; die kleinen Beefsteaks mit süsser portugiesischer Zwiebel rochen wie ein tanzendes Mädchen; der geschmorte Hummer duftete nach dem Meer; die ersten Pressgurken mit dem Geschmack des giftigen Grünspans knirschten so schön zwischen den Zähnen; und das Küken, das mit Petersilie ausgestopft war, erinnerte an den Gärtner. Der Porter rann wie warme Lavaströme durch seine Adern; aber auf die Erdbeeren da knallte der Champagner, und das Mädchen kam mit dem brausenden Getränk, das wie eine Quelle rann. Auch das Mädchen musste sich ein Glas nehmen. Und dann sprachen sie von allem Möglichen.
Theodor sass da wie ein Baum, der in neuem Saft steht; das Essen gärte so in seinem Körper, dass er sich wie ein Vulkan fühlte. Neue Gedanken, neue Gefühle, neue Ansichten, neue Gesichtspunkte flatterten wie Schmetterlinge um seine Stirn. Er setzte sich ans Klavier; aber was er spielte, wusste er nicht. Die Tangenten waren unter seinen Fingern ein Haufen harter Knochenstücke, aus denen sein Geist Leben pressen wollte: er ordnete, sammelte sie, um sie dann zu zerbrechen, aufzulösen.